Freitag, 22. April 2022

19. April 2022 Lost Dutchman State Park AZ - Lake Pleasant Regional Park AZ

Während unseres Frühstücks kommt ein Mann an unseren RV. Nach kurzer Begrüßung befestigt er ein Schild mit "Fire Ban" am Grill des Fire Pit unserer Site. Die Gefahr von Buschfeuern sei so stark angestiegen, erläutert er, dass offene Feuer auf dem Platz nun erst einmal generell verboten sind. Das trifft manchen amerikanischen Kollegen hart, gehört doch für viele das Campfire zum Campen wie Erdnussbutter zum Sandwich.
Auf der Straße aus dem herrlichen Campground heraus treffen wir auf ein Beispiel der Fauna, die uns gestern Abend unheimlich wurde: Eine zwei Meter lange Schlange windet sich in flottem Tempo über den warmen Asphalt und ist sofort im Gestrüpp am Straßenrand verschwunden.
Zu unserem ersten Ziel heute brauchen wir nicht weit zu fahren: Die Goldfield Ghost Town liegt vom State Park aus bereits in Sichtweite. Ein großer stählerner Förderturm begrüßt die Besucher, dahinter steht eine nachgebaute Wild West- Stadt samt Bahnhof und Bimmelbahn im Westernstyle.Das ist auf den ersten Blick ganz gut gemacht und hat zum Beispiel auf dem Warnschild am Eingang oder in und um die Kirche einigen Charme, wirkt jedoch ziemlich synthetisch und völlig durchkommerzialisiert. Der Vergleich mit Tombstone drängt sich sofort auf und fällt nachteilig aus. Nach einer guten halben Stunde haben wir alles gesehen und gehen zurück zum Parkplatz. 
Die Weiterfahrt nach Westen führt nun in jedem Fall durch Phoenix. Man hat ja bestimmte Vorstellungen von der einwohnermäßig fünftgrößten Stadt der USA: Eine Stadtfläche von der Größe eines mittelgroßen deutschen Bundeslandes, endlose Suburbs mit Einfamilienhäusern, 312 Sonnentage im Jahr. Und wir erleben auf der Durchfahrt einschließlich eines kleinen Umwegs eine Stadt, die in ihrer schieren Größe alle Dimensionen sprengt und in der Ausdehnung an Los Angeles zumindest heranreicht. Es beginnt mit unserem Einbiegen am Stadtrand auf eine schnurgerade  Straße, bei der das Navi stolz verkündet, ihr nun für 21 Meilen (34 Kilometer) zu folgen. Rechts und links dieser Straße liegen adrette Suburbs mit Flachdach- Einfamilienhäusern á la „Desperate Housewives“, mal in normalen Straßen, mal als Gated Communities mit Schranken und Zäunen, mal als eigene Stadtviertel mit langen Reihen völlig einheitlicher Gebäude. Alles, wirklich alles ist sauber, nirgendwo liegt Müll herum, die Straßenränder sind top gepflegt, oft gibt es alleeartig Palmen, gelb blühende Bäume oder große Kakteen. Völlig ungewohnt für Amerika empfinden wir durchgehende Gehwege auf beiden Seiten der Straße und ausgeschilderte Radwege. Nach den 21 Meilen ist der geraden Fortsetzung der Straße lediglich der Flughafen im Weg, dessen in dichter Folge landenden Flugzeuge wir schon länger beobachten konnten. In einem Bogen mit enger Baustelle geht es halb um den Airport herum und dann gerade weiter auf eine in der Ferne erkennbare Downtown- artige Skyline zu.
Hier ist es ein paar Blocks sehr städtisch mit Hochhäusern, um direkt danach wieder zur Vorstadt zu werden; diesmal in Form von weitläufigen Gewerbegebieten und einem Containerbahnhof, die in ihrer Unschönheit etwas "normaler" aussehen als die wie geleckten Siedlungen zuvor. Wieder geht es Meile um Meile weiter, ohne dass man den Eindruck hätte, aus der Stadt herauszufahren. 
Der erwähnte Umweg führt uns zum Outdoor- Outfitter CABELA'S, der im Stadtteil Glendale eine Niederlassung betreibt. Beim Betreten dieses riesigen Ladens bin ich erstmal sprachlos: Unter einer großen Kuppel liegen rechts und links die großen Abteilungen Jagen und Fischen, hinten ergießt sich ein Wasserfall, in mehreren großen Bereichen sind viele präparierte und lebensnah aufgestellte Tiere zu sehen von der Antilope bis zum Elefanten und vom Schwarz, - Braun und Eisbär bis zum Elch. Am Eingang sitzt ein Mann, der mitgebrachte Schusswaffen registriert und gegebenenfalls verwahrt. In der Jagdabteilung warten hinter einem 50 Meter langen Tresen mit vielen Angestellten lange Reihen von Jagdwaffen auf Kundschaft.Die dazugehörige Munition liegt gut sortiert in frei zugänglichen Regalen wie die Schokolade beim WALMART - es ist hierzulande eine völlig eigene Herangehensweise an das Thema Waffen. Eine ähnliche Auswahl gibt es auf der anderen Seite der Halle für Angler, die ihre Ausrüstung zwischen großen Aquarien mit kapitalen Fischen darin aussuchen können. Etwas unterrepräsentiert ist leider das Thema Bergsteigen. Trotzdem ist meine Einkaufstüte nicht leer, als ich mehr oder weniger überwältigt den Laden wieder verlasse, der eigentlich an sich schon eine Sehenswürdigkeit ist. 
Nun wenden wir uns nach Norden. Wieder sind etliche Kilometer auf blitzsauberen Straßen zu absolvieren, die größtenteils wieder durch immer wieder ähnliche Einfamilienhaus- Großareale führen. Schließlich führt uns das Ende einer langen Straße an den Stadtrand, die passenderweise schon Lake Pleasant Parkway heißt, also nach unserem Ziel benannt ist. Als wir die letzte Suburbia und das letzte Haus hinter uns gelassen haben, stehen für die Durchquerung von Phoenix, die nicht einmal das Stadtzentrum berührte, insgesamt unglaubliche 69 Meilen (111 Kilometer) auf dem Tacho. 
Lake Pleasant, ein großer Stausee im hügeligen Umland der Metropole, ist schnell erreicht. Im ihn umgebenden Regional Park gibt es eine Vielzahl von Campingplätzen, wir haben auf dem "Desert Tortoise Campground" reserviert, der in zwei Bögen mit Campsites oberhalb des Sees liegt. An der Einfahrt zum Areal wird kontrolliert, der freundliche junge Mann im Häuschen erkennt uns am Akzent und verabschiedet uns mit "Auf Wiedersehen", will dazu aber noch wissen, ob wir aus "Germany or Austria" kommen. Nach dem Einrichten an der Site - heute mussten wir, da wir etwas querab stehen, wieder leveln - gehen wir in der Spätnachmittagssonne zum Seeufer hinunter. Es gibt keinen richtigen Weg und unten leider nur einen felsigen Streifen am Wasser. Oskar hatte erwartungsfroh seine  Schaufel und Eimer dabei, ist dann aber auch mit Steine ins Wasser werfen hoch zufrieden. 
Der Wind bläst heute Nachmittag wieder ganz ordentlich, so dass wir wieder drinnen zu Abend essen. Unsere Nachbarn sind heute ein unfreundliches Pärchen mittleren Alters mit einem alten Großcamper, die bis in den späten Abend in ziemlicher Lautstärke Musik hören. Man fährt in die Pampa und wird von Nebenan beschallt, zum Glück ist solch eine Rücksichtslosigkeit nach unserer Erfahrung hierzulande eine große Ausnahme. 
Unser vom RV-Vermieter geliehenes Navi entpuppt sich immer wieder als schwergängiges Altexemplar mit erheblichem Update- Bedarf, das schon mehrfach fast den schnellen Weg aus dem Beifahrerfenster genommen hätte, wenn es mal wieder Buchstaben beim Eintippen hartnäckig ignoriert oder 10 Minuten zum Finden des aktuellen Standortes braucht. Dennoch hat es uns weitgehend zuverlässig durch nun bereits sieben Bundesstaaten gelotst. Um heute den Cabela's zu finden benutzen wir ausnahmsweise mal Google Maps. Das erweist sich ebenso zuverlässig, hat jedoch bei der deutschen Aussprache der Straßennamen den ein oder anderen Heiterkeitsfaktor. Zum Beispiel wurde aus der "95th Street" eine "Straße fünfundneunzig tee haa" - bei jeder Ansage immer wieder spaßig.

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...