Donnerstag, 28. April 2022

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war der angenehm ruhige Flug ein wenig holprig von Luftströmungen; die Anschnallzeichen waren mit einem dezenten "Ping" angegangen, aber das habe ich im Halbschlaf ignoriert.Dann gibt es Frühstück, nach L.A.-Zeit passend, tatsächlich ist es über Irland und kurz darauf England früher Nachmittag. Die Kanalküste überfliegen wir bei Dieppe, Paris liegt unter Wolken. Während das Frühstück abgeräumt wird kommt über Lautsprecher die regnerisch- kühle Wettervorhersage für Zürich. Die Sonne Kaliforniens liegt endgültig hinter uns... Den Vergleich mit Lufthansa gewinnt SWISS nicht. Das Essen war lecker und in Ordnung, jedoch der Schlafkomfort trotz modernerem Sitz schlechter. Den Service haben wir interessanterweise total unterschiedlich erlebt: Auf Susannes Seite des Flugzeugs war alles ein wenig lieblos, unaufmerksam und auf das Notwendigste beschränkt, auf meiner Seite war es dagegen ziemlich perfekt, so wurde ich schon beim Begrüßungsgetränk mit Namen angesprochen und hatte nie ein leeres Glas. Das Serviceniveau von UNITED und EMIRATES in einem Flugzeug.
Nach einer Runde vor verschneiten Bergen und über dem Zürichsee setzen wir auf der Bahn 28 von Osten her auf, die ist sehr kurz, deshalb gleicht die Landung einer Vollbremsung.
Wir lassen uns Zeit beim Aussteigen und sind mit die letzten, die durch das große wie leergefegt wirkende Terminal laufen. 
Dem heute Nachmittag an der Einreisekontrolle sitzenden Polizisten wünscht Susanne ein freundliches "Guten Morgen", worauf dieser mit Blick auf die Uhr trocken antwortet "Aus Los Angeles?" Er prüft hinter Tresen und Scheibe sitzend unsere Pässe und fragt dann: "Der Oskar ist aber auch mit dabei, oder?" Susanne: "Ja, soll ich ihn hochheben?" Er: "Nein, das brauchts nicht" und reicht uns mit einem verschmitzten Lächeln die Pässe zurück. 
Mit der Untergrundbahn fahren wir hinüber zum Hauptterminal. Drei Stunden bis zum Weiterflug, also geht's wieder in die Lounge. Im Vergleich mit der in Los Angeles hat diese leider den Charme einer besseren Autobahnraststätte und ist voll mit Busy- Geschäftsleute, nach vier Wochen on the road und zwei Jahren im HomeOffice eine völlig fremde Welt. Masken sind übrigens Fehlanzeige, im ganzen Flughafen schon.
Ein paar Kaffee und ein Gespräch mit dem Tischnachbarn aus Graz später geht es in die letzte Runde der Reise. Unser Flugzeug nach München steht leider auf einer Vorfeldposition, also geht es mit dem Bus dorthin. Es ist ein Airbus A220, für uns eine Premiere: Ein Flugzeugtyp mit dem wir alle drei noch nicht geflogen sind. 
An der Tür frage ich wieder die Stewardess nach der Maskenpflicht, was sie bejaht: "Es geht nach Deutschland" "Na, willkommen zu Hause" antworte ich, diesmal komme ich also nicht aus. 
Bei der Durchsage vor dem Start verweist sie dann, nach dem sie sich als "Maitre de la cabine" vorgestellt hat - wieviel besser klingt das als das schnöde "Purser" -, ausdrücklich auf die deutschen Bestimmungen, die das Tragen der Maske während des gesamten Fluges vorgeben. Wenn im Notfall die Sauerstoffmasken herausfallen sei die Maske dann aber abzunehmen, ergänzt sie noch; ob ironisch oder doch ernst vermag ich nicht zu sagen. 
Oskar sitzt diesmal neben mir. Er bekommt auf dem kurzen Flug noch einmal ein Kinderessen, dazu endlich auch ein kleines Geschenk, nachdem SWISS bis jetzt viel knausriger war als die Lufthansa auf dem Hinflug. Und eine Tafel schweizer Schokolade gibt es obendrauf. Im Sonnenuntergang landen wir in München. Auf dem Weg zu unserem Shuttle zum Parkplatz kommen wir im Terminal wieder bei dem Corona-Testzentrum vorbei, wo vor viereinhalb Wochen alles begann und unsere Reise erst möglich wurde. Nun schließt sich der Kreis. 

So long, America, have a great one!





Mittwoch, 27. April 2022

25. April 2022 Los Angeles Van Nuys CA - LAX Airport CA

Heute heißt es Abschied nehmen. Wir sind schon früh auf für die letzten Handgriffe und Verrichtungen, Oskar lassen wir noch ein wenig länger schlafen, er wird die Kraft brauchen. 
Beim Frühstück kommt dann alles auf den Tisch, was noch übrig ist. Obst ist nach dem Müsli alle, die guten Haferflocken von QUAKER auch, Kaffee ist noch so viel da, dass sich das Mitnehmen lohnt, von einigem anderem nicht, das muss dann leider weggeworfen werden. Beim Wasser haben wir uns ziemlich grob verschätzt, am Ende sind noch eindreiviertel 40 Flaschen- Pakete übrig, das war die Reserve für die Tage in der Wüste, die dann doch nicht so heiß waren wie befürchtet.
Danach dann das letzte Mal dumpen und Wasser auffüllen. Bei diesem RV ist die Abwasservorrichtung so geschickt konstruiert, dass diese "Freuden" des Camperlebens vergleichsweise schnell und recht unkompliziert vonstatten gehen; das war zum Beispiel in Neuseeland eine ganz andere ekligere Nummer.
Um kurz nach 9 sind wir fertig, und es geht heuer zum letzten Mal los. Zum Glück hat niemand unser enge Zufahrt zugeparkt, so kommen wir ohne fremde Unterstützung und Einweisung in einem Zug aus der engen Site.
Für die Wohnmobil- Abgabe müssen wir zur Road Bear- Niederlassung in Agoura Hills fahren, 18 Meilen/ 26 Kilometer entfernt, Richtung Westen in den Santa Monica Mountains im Hinterland von Malibu gelegen.
Die US101 ist viel befahren heute morgen, aber wie fast immer bedeuten auch hier viele Autos auf den 4 bis 6 Fahrstreifen je Richtung nur dichten Verkehr, der zügig fließt, und wir kommen gut voran. 
An der Autobahnabfahrt tanken wir noch voll und rollen dann bei ROAD BEAR RV auf den Hof. Auch hier ist unser Eindruck, dass wie schon bei der Übernahme in Orlando das Procedere um ein Vielfaches strukturierter ist als vor 3 Jahren bei der Konkurrenz El Monte in Anaheim: Die Abnahme erfolgt nur durch einen einzelnen zuständigen  Mitarbeiter, und nicht über mehrere verschiedene Stationen. Zuerst die wichtigste Frage: "Is everything OK with the RV?" Nun, da haben wir ja für ein flammneues Fahrzeug eine ziemliche Liste vorzuweisen, vom mittlerweile recht akut tropfenden Wasser unter der Spüle über den mit Kabelbinder gefixten Schlauch für den Generator, eine lockere Spiegelhalterung auf der Fahrerseite bis zum kaputten Toaster. Zum Glück für uns alles Kleinigkeiten, die ohne Auswirkungen auf unsere Tour blieben. 
Wir räumen die Koffer aus, er steigt ein und schaut, ob sonst alles ok ist und von uns ordentlich hinterlassen wurde. Größere Reinigungsaktionen haben wir uns diesmal gespart, und auch ein letztes Besenrein- Auskehren ist nicht nötig.
Nebenan übernimmt gerade eine 4er Gruppe Holländer ihr Wohnmobil. Ich frage sie, ob sie unser restliches Wasser und einigen Kleinkram wie noch abgepacktes Naan-Brot, Alufolie oder die letzten Rollen Küchentücher übernehmen wollen. Herzlich gerne, so geht unser Kram nun auf die Reise nach Las Vegas; die andere Wasser- Palette hatte ich in der Früh schon unserem Campground- Nachbarn überlassen. 
Dann heißt es warten, bis die Abnahme abgeschlossen ist und wir das Schlussprotokoll bekommen. Das geht dann aber so schnell, dass wir von unserem "Sunseeker" gar kein Abschiedsfoto mehr machen können: "Everything is fine with the RV. And the mileage: You booked 4.000 miles, you needed 3.961, that's great!" Finden wir auch, gute Pferde nehmen die Hürde knapp; wir sind aber doch überrascht, dass unsere eigentlich großzügig gedachte Kalkulation am Ende doch so knapp war. Groß verfahren hätten wir uns nicht mehr dürfen. 
Zusammen mit einer Familie aus Berlin mit Kleinkind im Maxicosy steigen wir kurz darauf in den Shuttlebus zum Flughafen. In sehr zügiger Fahrt geht es zurück nach Los Angeles; auch das ist wieder vorbildlich organisiert. 
Am LAX- Airport, wie alle ihn nennen, herrscht wieder Chaos und Stau bei der Zufahrt, trotzdem kommen wir recht schnell ans International Terminal. Hier suchen wir uns im Menschengewusel erst einmal eine ruhige Ecke und sortieren uns,  packen alles final in die Taschen und trinken die Restbestände auf.
Vor der Schlange beim Lufthansa/Swiss- CheckIn spricht uns ein Bediensteter an: "Lufthansa?" "No, SWISS" antworte ich. "Oh my god, so early for SWISS, they become airborne at night" bemerkt er gut gelaunt, schließlich startet der Flug nach Zürich erst um 19.25 Uhr. Und da erkenne ich ihn wieder, mit ihm und seinem trockenen Humor hatte ich 2019 auch schon gescherzt. Ich frage ihn, dem Namensschild nach heißt er Lee, ob er 2019 auch schon hier bei Lufthansa gearbeitet hat, "Yeah, since 2016". Er freut sich, dass ich mich an ihn erinnere.
Am CheckIn erwartet uns dann eine in ihrer Groteskheit kaum zu überbietende Szenerie: Tausende Menschen sind gleichzeitig in dieser Abfertigungshalle unterwegs, bis auf wenige Ausnahmen trägt absolut niemand eine Corona- Maske. Und inmitten dieses Bienenstock- artigen Gewusels der Massen steht bei den Lufthansa- Schaltern tatsächlich: "Masks required". Und nahezu alle anstehenden Passagiere, die Stunden, Tage oder Wochen vorher in den USA wahrscheinlich nie eine Maske aufgezogen hatten, haben nun wieder ihren Mundschutz übergestülpt. Wir sind entsetzt. Ringsum in den CheckIn- Schlangen bei TURKISH, LOT, EMIRATES, KLM, SINGAPORE, BRITISH und so weiter stehen alle ohne da, nur hier nicht. Unfassbar.
Ich verweigere die Maske aus Prinzip, möchte die in den letzten Wochen hier so sehr genossene wie daheim vermisste Freiheit so lange wie es nur eben geht behalten - und werde während des Anstehens und der Kofferabgabe dann auch nicht angesprochen. 
Der Mitarbeiter am CheckIn witzelt mit Oskar, klebt ihm sogar auch einen Kofferaufkleber mit HON Circle an den Arm. Den Kindersitz müssen wir wieder zum Schalter für "Oversized baggage" bringen, anschließend stellen uns beim Security Check an. Auch hier geht es zügig, sind doch die Kapazitäten für noch nicht wieder ganz erreichte Vor- Corona- Passagierzahlen ausgelegt. 
Beim Einlass zur Lounge werden wir begrüßt mit: "Congratulations, you are the very first for the Zurich- flight." Maskenpflicht gibt es hier auch, die wird aber so lax ausgelegt, dass man sich das auch hätte sparen können. Die Lounge selbst ist ein Traum: Viel Platz, angenehme ruhige Atmosphäre, viele Sofaecken und leckeres Essen, genau das richtige, um gute vier Stunden Wartezeit zu überbrücken. Wir essen und trinken reichlich, auch für Oskar ist etwas dabei, und beobachten die Menschen um uns rum. Zum Beispiel eine Gruppe junger Leute, von denen einer von zwei Mädels für ein gemeinsames Selfie angesprochen wird; welche Berühmtheit saß da wohl am Nachbartisch?
Oskar und ich schauen uns später die Landung unserer aus Zürich kommenden Maschine an, und irgendwann ist es kurz vor 7 und wir können zum Gate aufbrechen.
In der Schlange vor der Tür des Flugzeugs frage ich die Stewardess, wie es mit den Masken sei. "No masks required" lautet die Antwort. Bestens, bei Lufthansa hätten wir alle drei einschließlich unseres Zwergs wieder den ganzen Flug über vermummt sein müssen. 
Wir müssen uns nun aufteilen: Susanne und Oskar sitzen auf der linken Fensterseite, ich sitze ganz rechts am Fenster. 
Susanne erlebt noch vor dem Start einen kleinen Schock: Oskar hat beim Trinken des Begrüßungsgetränks auf einmal Scherben im Mund, er hat das dünne Glas mit den Zähnen geknackt. Es scheint jedoch alles gut gegangen zu sein, nach nehrmaligem Mundumspülen, soweit das ein Dreijähriger kann, ist wohl alles wieder draußen und kein Blut zu sehen...
Die Boeing 777 legt pünktlich ab, vor der Startbahn rollen wir am In'n'Out- Burger- Laden von gestern Nachmittag vorbei, dann geht es los. 
Unmittelbar nach dem Abheben sehen wir im Abendlicht das Meer. Wir haben wirklich den Pazifik erreicht, der Kontinent ist ein zweites Mal durchquert. 
In langer Linkskurve dreht die Boeing über Los Angeles, dessen Lichter in der nun schnell angebrochenen Dunkelheit aussehen wie ein bis zum Horizont reichender Teppich. 
Später sind dann einzelne Lichter am finsteren Boden das letzte, was wir von Amerika sehen. So fliegen wir in die Nacht hinein.

24. April 2022 Los Angeles Van Nuys CA

Der letzte Tag vor dem Heimflug. Es ist schon ein wenig Melancholie im Spiel, wenn man morgens denkt, das ist das vorletzte Frühstück in unserem Ferienhaus auf Rädern. Aber noch geht es nicht heim, heute steht ein wenig Los Angeles auf dem Programm.
Es ist echt praktisch, was man mit der UBER- App alles machen kann. Einen Mietwagen buchen, und dann die Taxifahrt dazu. Dafür ist dann die Mietwagen- Übernahme bei AVIS am Burbank Airport eine mühselige Prozedur, die an alte Analog- Zeiten erinnert.
Zum Flughafen hatte uns ein freundlicher Fahrer gebracht. Er hatte kein Problem mit unserem Kindersitz, und die Maskenpflicht in Taxis ist, meinte er, seit Montag Geschichte. Wieder wird uns bewusst, wie sehr uns die hiesige Freiheit fehlen wird...
Unser heutiges Gefährt ist ein kleiner quietschgelber KIA Soul. Für Susanne am Steuer ist es sowohl Umstellung als auch Erleichterung, nach tausenden RV- Kilometern nun in einem „normalen“ Auto unterwegs zu sein: Die Straßen sind breiter, und man kann zügig beschleunigen. Jedoch wird in Kalifornien und insbesondere hier in Los Angeles gefahren, als wäre der Teufel hinter jeder einzelnen Autofahrerseele her. Drängen, Rasen, rechts Überholen, reinquetschen in engste Abstände - schlimmer als in Süditalien.
Drei Punkte stehen auf unserer Liste, und gleich das erste macht uns ein paar Schwierigkeiten: von welchem Punkt  kann man das berühmte HOLLYWOOD- Sign am bestens vor die Linse bekommen? Unser Reiseführer der Route66 lotst uns richtigerweise auf den Mulholland- Drive, gibt jedoch falsche Koordinaten an, die uns auf der engen Berg- und Panoramastraße zu einem sehr feinen Ausblick auf die Nord Hollywood/ Burbank- Ebene führen, aber mehr nicht. Wir fahren den langen kurvigen Drive herunter. Riesige Villen stehen hier, bestimmt sind wir an dem einen oder anderen Haus vorbeigefahren, dessen Besitzer wir dem Namen nach kennen. Nach ein paar Kilometern steht ein Mann am Rand und telefoniert. Wir halten an, ich gehe zu ihm hin und frage: "We are a little bit lost. We want to see the big Hollywood sign." "Oh, it's on another hill, not here. Follow the Mulholland Drive for some miles." 
Ok, dann weiter auf dieser Straße mit dem berühmten Namen, bekannt durch den Film von David Lynch. 
Ein gutes Stück Straße und einige frustrierte Gedanken später öffnet sich bei der Einfahrt auf ein Privatgrundstück der Blick auf Downtown Los Angeles. Ich versuche mich an einem Foto, da spricht uns ein Passant an: "Take the Scenic lots. There are lots of them". Alles klar, also weiterfahren. Der erste Lookout ist abgesperrt und abgeschlossen, somit also weiter. Der Blick öffnet sich wieder, und auf einmal ruft Susanne: "Da ist es doch!" und deutet auf den Hügel gegenüber. Tatsächlich, dort, in etwa einem Kilometer Entfernung, stehen die berühmten Buchstaben am Hang. Wir sind begeistert, dass es doch noch geklappt hat und wir diese Ikonen Hollywoods nun sehen. 
Die Buchstaben dienten ursprünglich der Werbung zum Kauf von Grundstücken in dieser damals öden und abgelegenen Gegend. Dann begann irgendwann der Kult- Status, trotzdem verfielen die Buchstaben in den 70ern. Es ist im Wesentlichen Playboy- Gründer Hugh Hefner zu verdanken, dass sie überhaupt noch existieren und dass der Hügel nicht bebaut wurde. So versteigerte er 1978 auf einer Benefiz- Gala symbolisch die einzelnen Buchstaben, Rockstar Alice Cooper zB. kaufte dabei für 27.700 Dollar das erste O. Einen schönen Blick auf Downtown Los Angeles und die unermessliche Größe der Stadt bietet der Aussichtspunkt und ein zweiter etwas später noch obendrein. 
So können wir uns dem zweiten Punkt unserer L.A.- Liste zuwenden: Die James Bond- Ausstellung im Petersen Automotive Museum am Wilshire Boulevard. Um dorthin zu kommen, müssen wir Hollywood durchfahren. Hollywood Bowl, Hollywood Boulevard, Sunset Boulevard, Santa Monica Boulevard - wir passieren große Namen auf unserem Weg, gesehen haben wir davon außer den Schildern freilich nicht viel auf unserer Durchfahrt. 
Das Petersen Museum ist von außen ein herrlich schriller Bau; im Kern ein ehemaliges Einkaufszentrum, das in den 90ern zum Museum umgebaut wurde, seine rot-silber gestreifte Fassade trägt es seit 2015.
Hier werden in großem Stil u.a. Oldtimer und Rennwagen präsentiert. Uns interessiert jedoch nur die Sonderausstellung im Erdgeschoss: BOND IN MOTION, "Collection of original James Bond vehicles". Den Besuch hier hatte Susanne mir zu Weihnachten geschenkt, mit Aufkleben der Sticker- Eintrittskarte wünscht sie mir nochmals mit einem Lächeln "Frohe Weihnachten!" 
Die Ausstellung ist eine Wucht. Wir stehen vor den Autos, die in den Filmen verwendet wurden, allen voran natürlich der Aston Martin, an den sich Sean Connery in GOLDFINGER so ikonisch lehnt, hier das in GOLDENEYE usw. verwendete Modell. An diesem Lenkrad hat der großartige Pierce Brosnan gesessen bei der Verfolgungsjagd mit Famke Jansen, später dann auch der - von mir nicht favorisierte - Daniel Craig. Dann geht es weiter: Der Ford Mustang aus IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT. Die gelbe 2CV-Ente aus FOR YOUR EYES ONLY. Natürlich der Lotus Esprit aus DER SPION DER MICH LIEBTE. Der Hubschrauber aus LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU, BMWs aus... - und so weiter. Begeistert stehe ich als Bond-Fan vor jedem einzelnen Ausstellungsstück. Genial. 
Trotzdem müssen wir irgendwann weiter. Wir gehen zurück zum Auto, für das wir zum Glück eine nahegelegene Parklücke in einem Wohngebiet gefunden hatten. 
Nun noch einmal 13 Meilen durch die Stadt zum In'n'Out- Burger am Sepulveda Boulevard. Nicht wegen des Essens, das ist, Susanne wird es probieren, eher dürftig - im Burgerladen geht es bei Bestellung und Warten auf das Essen zu wie im Taubenschlag, der Laden ist gerammelt voll, und die Autos am Drive Thru stauen sich bis auf die Straße. Sondern hier ist der berühmteste Spotter- Platz der Welt, 500 Meter vor der Landeschwelle des Los Angeles Airports fliegen die Airliner hier so tief drüber hinweg, dass es eine laute Schau ist. Schon 2019 wollten wir hierher, damals hat es nicht geklappt, aber heute. Und es ist wirklich beeindruckend: Eine A380 von British Airways schwebt über die Straße, als wir noch nach Parkmöglichkeiten fahnden. Das Abstellen des KIAs erweist sich dann aber als erstaunlich unproblematisch, wir parken einfach beim Burgerbrater auf dem Hof. In der folgenden guten Stunde erleben wir dann Flugbetrieb hautnah, viele Flugzeuge kommen herein, andere starten, was man aus dem Außenbereich des Restaurants auch sehr gut sehen kann. Es sind erstaunlich wenig Spotter hier, in Frankfurt würden hier viele Dutzend stehen; besonders da, wie mir ein offensichtlich bestens informierter Securitymann sagt, der A380 von eben nur am Wochenende käme.
Ich versuche, ein paar der bekannten Motive umzusetzen, beim letzten Flugzeug das wir uns ansehen können, passt dann alles, eine ANA Boeing 777 aus Japan in optimaler Perspektive. 
Nun müssen wir wieder zurück nach Burbank. Mit dem Navi kein Problem, es lotst uns zuverlässig über die Freeways und Boulevards, bis wir wieder im gleichen Autoverleih- Parkhaus stehen, in dem wir den Wagen heute Vormittag übernommen hatten. 
Jetzt nur noch zurück RV- Park kommen. UBER sollte es möglich machen, wir erwarten den Fahrer im Pickup- Bereich der Autovermietungen. Dann meldet die App, der Fahrer sei da, es ist aber nichts von ihm zu sehen. Wir rufen ihn an und fragen, wo er sei und wo wir wie angegeben auf ihn warten. Er stehe vor dem Terminal B und wartet auf uns, er könne (und wolle) nicht dahin fahren wo wir sind. 
So müssen wir jetzt bei mehr als 30 Grad und einem langen Tag mit dem schweren Kindersitz und dem ziemlich erschöpften Oskar sowie Rucksäcken irgendwie zum Terminal kommen. 500 Meter beschilderter Fußgängersteig mit Treppen und zum Großteil defekten Laufbändern werden für uns zur Qual. Vor dem Terminal finden wir unseren Fahrer, der von uns nicht kniggemäßig begrüßt wird, vor allem da er in seinem gut klimatisierten Auto lässig sitzend einfach nur auf uns wartet und die Zeituhr schon laufen lässt. 
Er fährt uns dann mit einem irrwitzigen Tempo zurück zum RV- Park, dabei läuft esoterische Musik mit tiefen Bässen in undezenter Lautstärke. Am Schluss entschuldigt er sich, dass am Burbank Airport für Taxifahrer strikte Regelungen gelten würden was das Aufnehmen von Passagieren betrifft. Klingt für uns nicht unbedingt glaubwürdig, aber sei es wie es sei. 
Den Rest des Abends verbringen wir mit der Vorbereitung unseres RV für die morgige Abgabe. Kurz vor Mitternacht trinken Susanne und ich noch ein letztes Glas Wein zwischen den sich im Innenraum stapelnden Koffern und Taschen. Wir sind bereit, das Wohnmobil steht für die Übergabe bereit. Emotional sind wir es eher nicht...

Dienstag, 26. April 2022

23. April 2022 Banning CA - Los Angeles Van Nuys CA

Bis auf ein paar Züge war es eine ruhige Nacht, aber wieder ziemlich kalt, kein Wunder hier auf der windigen Passhöhe. Die Wolken haben sich heute früh aber verzogen und die Sonne scheint. Beim Frühstück bemerken wir, dass die KOA- Leute hier ihre Gäste viel geschickter verteilen als ihre Kollegen in Benson AZ: Die freien Plätze liegen alle jeweils zwischen besetzten Sites, so ist man nicht auf unmittelbarer Tuchfühlung; in Benson war ja lieber alles eng gestellt und ein ganzer Platzteil leer geblieben. Auch sonst sind wir mehr als zufrieden: Wir müssen das verbrauchte Gas ersetzen und bei der Abgabe übermorgen wieder einen vollen Gastank im Fahrzeug haben. Ein freundlicher Angestellter steht hierfür unmittelbar nach unserer Anfrage im Office bereit. Jedoch scheinen unsere beiden Koch- Abende kaum Gas verbraucht zu haben, denn er zuckt nur mit den Schultern und meint: "It's pretty full." Wir brauchen für den Service nichts zu bezahlen und können diesen Punkt auf der Liste für die Wohnmobil- Abgabe schon mal abhaken. Los geht's. Ein allerletztes Mal fahren wir auf die Interstate 10 auf, das erste Mal war es vor gut drei Wochen kurz auf der Etappe nach Mobile AL, lang ist's her... 
Die Berge ringsum sind verschneit. Schnee und Palmen auf einen Blick hat man auch nicht oft. 
Schon nach ein paar Meilen fahren wir  wieder ab und folgen einer kleinen Straße durch den San Timoteo Canon. Hier laufen wieder die Bahngleise parallel, und es gelingt auch noch ein Bahnfoto.
Am unteren Ende des Canon beginnt San Bernardino und damit der Großraum Los Angeles.Wir wollen von hier aus der alten Route66 folgen und biegen an der Ecke Mount Vernon Avenue/ 5th Street in die Straße ein, die einmal die alte Main Street of America war. Dies ist eines der Stücke der Strecke, das uns noch fehlt. 
Es folgt nun ein über 40 Meilen langer mehr oder weniger gerader Straßenzug zu Füßen der San Gabriel Mountains. An vielen Stellen finden sich Hinweise auf die alte Sixtysix, die exakt diesen Verlauf nahm auf ihrer Zielgeraden Richtung Santa Monica, wie zum Beispiel Schilder "Historic Route66", Markierungen auf der Straße, oder auch Einkaufszentren, die den Namen Route66 tragen. 
Gerade am Anfang und dann gelegentlich zwischendurch sind noch Relikte der Vergangenheit zu erkennen, insbesondere Motels mit verblichen Werbeschildern, in denen man freilich nicht wirklich übernachten wollen würde.Alte Tankstellen, wie wir sie 2019 so oft gesehen hatten, gibt es hier nicht mehr. Ein Höhepunkt heute ist dafür sicherlich das Wigwam Motel in Rialto. 
Es geht durch eine Vielzahl von Städten und Ortschaften hindurch, mit fließenden Übergängen. Manchmal weißt ein Ortseingangsschild darauf hin, dass man wieder eine Gemeindegrenze überquert hat, manchmal nicht. Nach San Bernadino folgen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit -  Rialto, Fontana, Rancho Cucamonga, Upland, La Verne, San Dimas, Azusa, Glendora, Monrovia und Arcadia. Kleine und große Städte, die alle nicht zu den ärmsten der L.A.- Area zu gehören scheinen. 
Die Straße heißt über weite Strecken und durch viele Städte durchgehend Foothill Boulevard, später dann sogar einmal Route66. 
Man kann jedoch nicht einfach durchfahren, sondern wird an jeder Kreuzung mit einer Ampel konfrontiert, die rot oder grün sein kann;  jede schaltet unabhängig voneinander, von einer grüne Welle ist hier nichts zu spüren. 
Unterwegs halten wir zum Lunchen bei CARL'S JUNIOR an  - hier bzw. beim Pendant HARDEE'S schmecken die Burger einfach am besten, und das Ambiente ähnelt dem eines Diners. In Arcadia verfahren wir uns kurz und drehen eine Ehrenrunde um die Santa Anita Park- Galopprennbahn - "The Great Race Place" -, eine der ganz großen Pferderennbahnen Amerikas; aus dem Fenster zu sehen ist eine weitläufige Anlage mit riesiger Tribüne und einen ebenso riesigen Parkplatz. 
Schnell sind wir aber wieder auf der richtigen Route und erreichen schließlich Pasadena. Hier wendet sich die Route66 nun in Richtung Santa Monica, wir müssen jedoch nach Van Nuys und verlassen die alte Straße. 
Es folgt ein längeres Intermezzo über diverse Interstates, High- und Freeways, das ohne Navi nicht zu finden wäre. Zum Glück bleibt der Verkehr auf den vielspurigen Straßen flüssig, so dass wir ohne Stau schließlich irgendwann die Schnellstraße verlassen können. Einige letzte Kilometer durch samstäglich belebte Stadtstraßen, dann biegen wir endlich in unseren Campground ein.
Auf dem Hollywood RV Park waren wir schon 2019 bei unserer ersten USA- Durchquerung zu Gast. Er war uns vor allem in Erinnerung wegen der engen Zufahrten zu den Stellplätzen, die ohne fachkundige Einweisung durch den Platz- Chef für uns Amateure kaum zu bewerkstelligen wären. Und auch heute werden wir bestens eingewiesen. Susanne hatte einen großen Respekt vor diesem Platz, und ist sehr froh, als der Wagen in der engen Site steht. 
Der Campground ist ist an vielen Stellen sehr liebevoll dekoriert. 
Morgen wollen wir ein wenig durch Los Angeles fahren und mieten über UBER einen Leihwagen, der ab 10 Uhr am Burbank Airport bereitsteht. 
Nach einem Kaffee und einem Spaziergang über den Platz packen wir am Abend unsere Koffer. Der Abschied naht. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...