Mittwoch, 30. März 2022

29. März 2022 Port Canaveral FL - Kennedy Space Center FL - Port Canaveral FL

Wie stets bei Amerika-Touren enden die Nächte anfangs gegen 5 Uhr. Es ist noch still und finster, also bemühen wir uns, unseren Kleinen noch eine Weile ruhig zu halten. 
Als wir die Kaffeemaschine aus dem Küchenschrank nehmen, erwartet uns eine Überraschung: Der Boden dieses Faches ist nass. Eine kleine Spurensuche mit Taschenlampe unter der Spüle kommt schnell zu einem Ergebnis: Es tropft über die beiden metallenen Wasserzuleitungen. Die Tropfmenge scheint jedoch überschaubar, und wir positionieren nach Trockenlegung einen der sowieso hier in diesem Fach verstauten Töpfe als Tropfenfang. Nichtsdestotrotz ruft Susanne dann beim Verleiher an. Franzi ist wohl nicht da, ihre Kollegin Annalise bescheinigt uns, nachdem wir ihr das Problem haben verständlich machen können, dass wir weiterfahren könnten, wenn uns das Malheur nicht zu sehr stört. Wir dokumentieren das ganze trotzdem mit Handykamera, man kann ja nie wissen, und werden beobachten... 
Heute wollen wir zum legendären Kennedy Space Center. Bei der Anfahrt passieren wir die großen Hallen der Firma BLUE ORIGIN, dem Raumfahrtunternehmen vom AMAZON, dann führt die Straße direkt auf die unübersehbaren Raketen zu. Die hiesige alternativlose Parkgebühr beträgt stolze 15 Dollar, genauso unverschämte Abzocke ist, dass Kinder ab 3 Jahren beim ohnehin stolzen Eintritt fast so teuer sind wie Erwachsene. Monopolpreisbildung in praktischer Anwendung, diverse VWL-Vorlesungen zur Preistheorie kommen ins Gedächtnis. 
Erste Attraktion der Anlage ist das NASA-Globuslogo am Eingang, für ein Photo muss man sich in eine Schlange Gleichgesinnter einreihen. 
Das Konterfei John F Kennedys begrüßt die Besucher. Sein legendärer Auftrag an das amerikanische Volk begründete am 12. September 1962 den Aufbruch zum Mond: "We choose to go to the moon. We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard." 
Wie utopisch muss das damals geklungen haben: Erst 59 Jahre vorher hatte der Mensch das Fliegen gelernt, 35 Jahre vorher hatte Lindbergh erstmals den Atlantik überflogen. Und nun zum Mond? In 8 Jahren? So lange dauert bei uns alleine die Genehmigung einer Terrassenüberdachung... 
Dann betreten wir das Museum. Erste unübersehbare Attraktion ist die Rocket Alley. Alle von der NASA verwendeten Raketentypen außer der SATURN V stehen hier. Oskar kann hier sogar in ein Modell der winzigen MERCURY-Kapsel klettern. 
Eindrucksvoll ist für mich vor allem die GEMINI, eine umgerüstete Interkontinental- Atomrakete, mit der in der 60ern in vielen Flügen eine erste Routine in der bemannten Raumfahrt erreicht wurde. Spätere Ikonen wie Armstrong, Aldrin, Collins, Stafford, Lovell und Co verdienten sich mit ihr ihre ersten Astronautensporen.
Anschließend lassen wir die Astronaut's Hall of Fame links liegen - alles kann man sich halt nicht anschauen - und reihen uns ein in die zum Glück sehr kurze Schlange für die Bustour über das Space Center. Ziel ist der Museumsteil "Apollo/Saturn V". Auf der Fahrt dorthin fahren wir am gigantischen Vehicle Assembly Building vorbei. Dieses ikonenhafte Gebäude, in dem erst die Mondraketen zusammengebaut und später die Space Shuttles für den Start vorbereitet wurden, ist so gigantisch groß, dass es nicht näher zu kommen scheint als wir darauf zufahren. 
Hoch wie der Kölner Dom und breiter als 2 Fußballfelder; das Colloseum in Rom könnte auf seinem Dach errichtet sein, erklärt uns unser Busfahrer. Diesen Kubus - das Wort Gebäude beschreibt es nicht annähernd - von nahem zu sehen begeistert. Steingewordene Science Fiction. 
Mehr bekommen wir jedoch vom Gelände kaum zu sehen; es ist gesperrt, seit neben der NASA nun auch die Raumfahrzeuge von Elon Musk und Amazon den Weltraumbahnhof nutzen und die früher weitgehend verwaisten Startkomplexe mit Leben füllen. 
Aber das APOLLO SATURN V- Center ist auch so eine Wucht. Zunächst wird man mit einer Multivisionsshow eingestimmt auf die Vision Kennedys, zum Mond aufzubrechen, und die Zeit, in der sie geboren wurde. Wenn dabei die sehr frühen Beatles oder Rock'n Roll zu hören ist, Bilder von Martin Luther King, den Rassenunruhen, Elvis, Jacky Kennedy oder Vietnam zu sehen sind - also Eindrücken aus ewig vergangenen Zeiten - erscheint der rückblickende Gegensatz zum erfolgreichen Mondflug, der auch in dieser Zeit geplant und durchgeführt wurde, noch surrealer. Dann wird man geführt in die originale Flugleitzentrale von APOLLO 8, dem ersten Flug einer SATURN V, der erstmals Menschen in eine Mondumlaufbahn führte. Hier wird der Start der Rakete gezeigt, und wenn die Triebwerke zünden wackeln sogar die Sitzbänke der Tribüne. 
Eine dieser SATURN V- Raketengiganten hängt in der Halle des Komplexes an der Decke, man kann von unten all ihre Triebwerke, Raketenstufen und schließlich an der Spitze das Mondfährenmodul und die Apollo-Kapsel betrachten. 
Zudem kann man ein Stück Mondgestein berühren, allerlei Original-Ausrüstung der Missionen wie den von Mondstaub bedeckten Raumanzug von Alan Shepard bestaunen und ein Modell der Mondfähre anschauen. Besonders beeindruckend und bewegend ist hier für mich die originale Apollo-Kapsel der APOLLO 14- Mission, die geschwärzt und sichtbar gezeichnet ist von den Hitze des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre. Die grieseligen Schwarz-Weiß-Live-Bilder der letzten Apollo-Missionen sind für mich mit die ersten prägenden Fernseh Erlebnisse, in der Grundschule habe ich einen Vortrag über APOLLO 11 gehalten, und nun stehe ich hier vor einer dieser Mondflug-Kapseln. 
Und wie eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft kann man von einer Tribüne hinter der Halle am Horizont die Rakete der nächsten Mondmission sehen: ARTEMIS 1 steht auf der Startrampe und wird in einer Woche als erste unbemannte Mission eines neuen NASA-Programms wieder zum Mond fliegen. Als schließe sich ein Kreis... 
Wieder zurück mit dem Bus im Bereich des Space Centers teilen wir uns auf. Susanne geht mit dem erschöpfen Kleinen zurück zum Wohnmobil, ich möchte mir noch das Space Shuttle ATLANTIS anschauen. 
Auch hier wieder eine Multivisionsschau, diesmal als Kurz-Spielfilm über die Entwicklung des Shuttles, dann in einem zweiten Saal als Film über Start und Flug, der dann in den Blick auf die hinter einem Vorhang allmählich sichtbar werdende echte ATLANTIS übergeht - das ist sensationell gemacht. 
Dann stehe ich unmittelbar vor der ATLANTIS. Kaum fassbar, dass das tatsächlich derselbe Raumgleiter ist, dessen Starts, Weltraummanöver und Landungen man so oft im Fernsehen gesehen hat. Ein weiterer Gänsehautmoment. 
Auch um das Raumschiff herum wird viel gezeigt, ein Modell des Hubble-Teleskops etwa, das ohne Space Shuttle kaum realisier- und später reparierbar gewesen wäre, oder ein Überblick über wichtige Missionen der Shuttles. Jedes Shuttle wird mit einer Kurzgeschichte vorgestellt. Und hier steht dann tatsächlich - quasi NASA-offiziell -, dass der Taufname der ENTERPRISE tatsächlich auf die Initiative Hunderttausender STARTREK-Fans zurückgeht, die die NASA gebeten hatten, dem ersten Shuttle eben diesen Namen zu geben. 
Besonders ergreifend die Erinnerung an die beiden tragischen Verluste, CHALLANGER und COLUMBIA. Sehr einfühlsam wird den gestorbenen Astronauten gedacht. Und dann steht man vor Trümmerteilen - das packt einen bis ins Mark. 
Man könnte nun noch einen Shuttlestart-Simulator ausprobieren, ins IMAX-Kino gehen oder sich über künftige Mars-Missionen informieren, aber für heute ist es genug. Und auch überwältigend genug. 
Auf der Rückfahrt halten wir bei einem PUBLIX-Supermarkt, er war uns von Franzi aus Orlando empfohlen worden. Und in der Tat ist das Angebot deutlich besser und qualitativ gehobener als beim WALMART. Auch die Kundschaft, die gestern auf uns eher abschreckend gewirkt hatte, ist hier deutlich angenehmer. 
Wieder auf dem Campground angekommen bereiten wir uns ein fürstlichen Mahl aus den im PUBLIX erworbenen Käse und Baguette, dazu Rotwein - völlig angemessen für diesen tollen Tag. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...