Montag, 25. April 2022

21. April 2022 Ehrenberg AZ - Joshua Tree National Park CA

Der Blick beim Frühstück ist herrlich: Nur eine Handvoll Meter entfernt fließt der Colorado, die Palmen an seinem Ufer leuchten fast in der Morgensonne, es ist sommerlich warm.
Beim Wasserauffüllen wünscht der Nachbar einen guten Morgen. "Just one night here?" fragt er "Where are you guys heading to today? Joshua Tree? Yeah, that's great. Enjoy it!" 
Vor dem Flussübergang tanken auch wir an der gestern erwähnten Großtankstelle. Während des Tankens läuft Bryan Adams' SUMMER OF 69, dazu ein verhältnismäßig moderater Preis von 4,49 Dollar die Gallone - besser geht's nicht. 
Dann geht es über den Fluss, und auf der anderen Seite wartet direkt die kalifornische Grenzkontrolle auf uns. Beim letzten Mal in 2019 hatten wir noch umfangreich und letztendlich ohne sinnhaftes Ergebnis recherchiert, welchen Sinn diese Kontrolle hat und was man einführen darf und was nicht, diesmal lassen wir es drauf ankommen. Der freundliche Kontrolleur winkt uns mit einem lässigen Lächeln durch und wünscht: "Have a great one." 
Nach dem Anstieg aus dem Colorado Valley in die Wüste wird es eintönig. 44 Meilen (71 Kilometer) ohne Autobahn- Ausfahrt, es ist schlicht nichts da, wohin oder warum man abfahren sollte. Einzige Ausnahme und nicht in der Karte verzeichnet: "State Prison"; dieses liegt einige Meilen links in der flimmernden Hitze. 
Dann beginnt eine lange Baustelle: "Road Work ahead - 31 miles". Diese 50 Kilometer lassen sich aber gut durchfahren, da es keine verengen Fahrstreifen etc. gibt; es wurde einfach eine neue Gegenfahrban neben der alten errichtet, so ist genügend Platz. Allerdings ist in der Baustelle eine geringere Geschwindigkeit vorgegeben als sonst: Tempo 60 Meilen, für Trucks ausdrücklich 55, mit dem üblichen Hinweis der verschärften Strafen in Baustellen: "Fees doubled when workers are present" . Hier zeigt sich nun ein gänzlich anderes Fahrverhalten als das gestern allgemein für das Überholen beschriebene: Wir fahren die erlaubten 60 Meilen und werden in einer Tour von allen, wirklich ALLEN überholt, Lastwagen sind zum Teil wesentlich schneller als wir unterwegs. Uns ist schleierhaft, wie das mit den Temposündern gehandhabt wird, zumal hinter einer Brücke tatsächlich eine Radarfalle stand. 
Jenseits des unauffälligen Chiriaco Summit, ein "Pass" mit 500 Meter Höhe, verlassen wir die Interstate an der Ausfahrt zum Joshua Tree National Park. Es geht direkt ordentlich bergan, bis wir nach ein paar Meilen ein kleines Visitor Center erreichen. Hier kann man die Eintrittsgebühr bezahlen, von Park Ranger Informationen erhalten und ein paar Souvenirs kaufen. In diesen Natiinalpark- Stellen herrscht immer eine ganz eigene kernige Atmosphäre, zu der die Park Ranger mit ihren Uniformen und Hüten ihren Teil beitragen. Wir schauen auf die Karte des Parks und sind erst einmal überrascht wie riesig der Park ist. Von Süd nach Nord führt eine Straße hindurch, mit vielen Park Möglichkeiten, Info-Tafeln und Ausgangspunkten zu Wanderrouten. 
Die ersten 48 Kilometer seit Beginn des Parks verlaufen durch eine in ihrer Weite unfassbaren Wüstenlandschaft. Niedrige Büsche und später Cholla- Kakteen, diese sind bis zu einem knappen Meter hoch und haben flaumartige Stacheln, prägen das Bild. Wir fahren in das Pinto Basin hinunter, eine viele Quadratkilometer große abflusslose Senke, und dann einen kleinen Canyon hinauf, bis sich oben die ersten Joshua Trees und die für diesen Nationalpark typischen rundgeschliffenen rötlich-beigen Felsen zeigen. Am Skull Rock steigen wir aus, ein Fels, der tatsächlich fast so aussieht wie ein Totenschädel. 
Hier oben auf der Hochebene finden sich die Bäume überall, verbunden mit den Felsen immer wieder ein herrlicher Anblick. 
Eigentlich wollen wir die von der Hauptroute abzweigende Straße hinauf zum Keys View nehmen, die ganz besondere Fernblicke bieten soll. Jedoch steht gleich hinter der Kreuzung, dass die enge Straße für RVs eigentlich nicht besonders geeignet ist; praktischerweise gibt es gleich eine Wendemöglichkeit über einen Parkplatz. Wir nutzen diesen zur Umkehr, und bleiben gleich stehen, ist es hier doch auch sehr attraktiv: Ein kleiner Spaziergang zwischen den berühmten Bäumen und einigen rot blühenden Kakteen vor roten Felsen lässt uns ein klein wenig eintauchen in diese Landschaft. Es ist trotz praller Sonne nicht zu warm, dazu kommt ein stetiger Wind, der sich bis morgen noch deutlich verstärken soll. Während unserer Pause fahren dann insgesamt nur zwei Wohnmobile die Straße zum Keys View hinauf, nachdem wir vorher auf der Straße hier im Park wesentlich mehr RVs gesehen hatten als insgesamt in den letzten dreieinhalb Wochen zusammen in allen durchquerten Staaten. 
Wir folgen nach dem Spaziergang dem Park Boulevard auf seiner langen Abfahrt durch den Westteil des Parks bis zur unten beim Ort Yucca Valley gelegenen Westeinfahrt. Insgesamt haben wir von Süd nach Nordwest 91 Kilometer zurück gelegt und sind letztendlich nur einmal quer durch den Nationalpark durchgefahren. 
Unser Campground mit dem schönen Namen Black Rock liegt auch im Nationalpark, aber in seiner nordwestlichen Ecke, die man nur aus Yucca Valley heraus ansteuern kann. Alle anderen Plätze waren entweder schon vor Monaten ausgebucht oder werden nach dem „Wer zuerst kommt“- Motto vergeben und sind erfahrungsgemäß schon vormittags belegt. Der Platz ist einfach, aber sympathisch zweckmäßig, wie es sich für einen National Park Campground gehört, überall stehen Joshua Trees, und er bietet eine Fernsicht bis in die Mojave- Wüste. Wir haben ein wenig Bedenken wegen der zum Teil recht niedrigen Äste der empfindlichen Bäume; erstaunlicherweise ist um kurz nach 5 noch ein Park Ranger im Office; er weiß aber auch nicht, auf welchem Weg wir unseren Platz ansteuern sollten, zeigt uns hilfsbereit auf dem Plan die beiden Varianten, um zur Site zu kommen. „Be careful" - und los geht‘s, nach kurzerm Inspizieren und Entscheidung für einen Weg.  
Wir haben Site #43 gebucht, fahren dann doch ganz problemlos ein und leveln, da der Boden nicht ganz plan ist; Strom und Wasser gibt es auf diesem Platz nicht. Anschließend machen wir einen kleinen Abendspaziergang in Richtung eines Trails - unter den immer wieder interessant aussehenden Joshua Trees. Als wir zurück kommen, bemerken wir, dass wir uns versehentlich in Site #45 eingerichtet haben und parken um, wieder ist Höhenausgleich erforderlich. Unser Nachbar schaut beim Grillen interessiert herüber und meint dann, dass er sich auch erst verfahren habe. Er liebt München, da er für eine Münchener Firma gearbeitet habe und beruflich oft da gewesen sei. „Nach“ COVID plane er mit seiner Frau eine Europareise, auch um München wiederzusehen. 
Während unseres Abendessen kommt dann auch der heutige Nutzer der Site #45 angefahren, ein Pickup mit langem Wohnanhänger. Das Ehepaar zeigt sich zunächst als überaus fachkundig, wird dann aber Opfer des eigenen Perfektionsdrangs: Hatten wir auf jener Site die Höhennivellierung wie immer Pi mal Daumen vorgenommen, wird bei den neuen Nachbarn akkurat mit der Wasserwaage nachgemessen, ob alles gerade ist. Das kann natürlich nur  - sorry - schief gehen, und schlussendlich braucht es fast eine Dreiviertelstunde, bis der Hänger steht und alle mehr oder weniger zufrieden sind, trotz rapide steigender Gereiztheit des Paares. Wie schon in Texas sind wir unfreiwillig Zeugen des Dramas und witzeln, dass der vor einigen Tagen im Dunkeln ankommende Stellplatz- Nachbar im Fontainebleau State Park LA oder 2019 in Harper's Ferry WV der ähnlich souverän einparkende Trevor in dieser Zeit schon gegrillt und gegessen hätten und längst schlafen gegangen wären. 
Der Sternenhimmel ist leider weniger üppig als erhofft. So wird das nichts mit den Sternen- und Nachtphotos, für die ich extra ein Stativ mitgenommen habe; vielleicht ganz gut, da ich nun auch einen heftigen Schnupfen habe und ganz froh bin, nicht in der Kälte herumlaufen zu müssen. Außerdem soll ein Sturm aufziehen, die Vorboten bemerken wir bereits mit heftigen Windböen. Wir richten uns auf eine kalte Nacht ein. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...