Erwartungsgemäß nach einer Nacht in der Prärie ist das RV heute früh wieder ziemlich ausgekühlt. Wir beißen ein wenig die Zähne zusammen und lassen trotzdem die Heizung aus, zumal recht bald die Sonne wärmt. Auf den geliebten Morgenkaffee müssen wir heute verzichten, denn es gibt hier am Ende der Welt nur an einer kleinen Handvoll Sites rund um das Visitor Center Strom.
Die Szenerie ist am Morgen genauso packend wie gestern Abend: Big Country, weites Land. Der Abschied fällt uns ein wenig schwer.
Ich hole im Visitor Center noch ein paar Infos über diesen eigenartig- wunderbaren Ort, dann fahren wir los Richtung Silver City.
Bei Hurley passieren wir die riesige Abraumhalde der weiter östlich bei Santa Rita gelegenen Chino Kupfermine, in der Ferne sind auch gut die immensen Landschaftsvergewaltigungen der Tyrone- Kupfermine zu erkennen, an denen wir nachher noch vorbeifahren. Bergbau in diesen Dimensionen hätte man eher in China oder Sibirien erwartet.
Silver City ist uns einen Extraschlenker durch die Historic Downtown wert. Wir fahren den Broadway hinauf mit einigen schönen Häusern.
Als ich das in einer schönen alten Feuerwache untergebrachte Stadtmuseum fotografieren möchte, bleibt vor mir ein Pickup stehen. "I want to be in the picture, too" schmunzelt mir der Fahrer zu; ich hebe scherzhaft die Kamera in seine Richtung, da winkt er lachend ab.
Silver City hat schon allerlei illustre Leute gesehen, unter anderem Billy the Kid, der hier zum ersten Mal verhaftet wurde, oder Butch Cassidy und Sundance Kid, die häufig hier durchkamen - im Film von 1969 Paraderollen für Paul Newman und Robert Redford. Auch die APOLLO- Missionen der NASA begegnen uns hier wieder: Harrison Schmitt, Crew- Mitglied und "Moonwalker" von APOLLO 17, wurde hier geboren; nach ihm ist eine Schule benannt, an der wir vorbei fahren.
Silver City hat schon allerlei illustre Leute gesehen, unter anderem Billy the Kid, der hier zum ersten Mal verhaftet wurde, oder Butch Cassidy und Sundance Kid, die häufig hier durchkamen - im Film von 1969 Paraderollen für Paul Newman und Robert Redford. Auch die APOLLO- Missionen der NASA begegnen uns hier wieder: Harrison Schmitt, Crew- Mitglied und "Moonwalker" von APOLLO 17, wurde hier geboren; nach ihm ist eine Schule benannt, an der wir vorbei fahren.
Wir wenden uns nun wieder nach Süden. Die Verheerungen der Tyrone Mine sehen von nahem genauso arg aus wie von Ferne. Schöner ist das frische Laub auf den Bäumen. Es hat eine rotbraune Farbe, so wirken sie auf uns fast herbstlich.
Zwei große Landmarken prägen eine Trans- Amerika- Reise, so unsere Erfahrung aus 2019: Zunächst die Überquerung des Mississippi und dann die der Continental Divide, die kontinentale Wasserscheide. Hier treffen wir auch auf den Continental Divide Trail, dieser Fernwanderweg folgt der Wasserscheide von der kanadischen bis zur mexikanischen Grenze.
Durch ob ihrer Weite sprachlos machende Prärie- Ebenen fahren wir weiter nach Lordsburg. Nur ferne Berge begrenzen diese Riesenfläche, die am weitesten im Süden liegen bereits in Mexiko.
Bei der Tankpause in Lordsburg darf Oskar in einen Feuerwehrwagen einsteigen, danach kehren wir bei SUBWAY ein. Dann fahren wir auf die Interstate 10 auf, um zügig westwärts zu kommen. Eigentlich war für heute ein wenig Zeit für einige Eisenbahnfoto- Pausen eingeplant. Jedoch ist die Hauptstrecke El Paso - Tucson gesperrt: Eastbound, also Richtung Osten, kommt uns kein Zug entgegen, und wir überholen auf der Autobahn drei Westbound- Züge, die auf freier Strecke im Nirgendwo stehen. Schade, ohne Verkehr wird das heute nichts mit Fotos.
Eine Stunde später überqueren wir die Grenze nach Arizona. Eigentlich in der gleichen Zeitzone wie New Mexico gelegen, stellen wir die Uhren erneut eine Stunde zurück, da hier außer in den Navajo Nation Reservation nicht auf Sommerzeit umgestellt wird. So sind wir nun de facto schon auf kalifornischer Zeit und gegenüber Deutschland nun neun Stunden zurück. Kaum in Arizona eingefahren beginnt wieder heftiger Wind, der in den Ebenen zum Teil erstaunliche Windhosen aufsteigen lässt. Da es auf diesem Abschnitt außer der heute ruhenden Bahnstrecke nichts weiter zu sehen gibt, bleiben wir trotz Wind und LKWs auf der Interstate, bis wir Benson erreichen.
Mangels Alternativen fahren wir wieder bei einem KOA- Platz vor.Im Gegensatz zu seinem sehr gastlichen Pendant in Carlsbad ist dieser eine ziemlich herbe Enttäuschung. Wir werden, obwohl der gesamte Platz mindestens halb leer ist, auf eine Site gequetscht, die links von einer vielköpfigen Familie mit drei großgewachsenen Hunden und drei lautstarken Pickups belegt wird, beim rechten Nachbarn wird geräuschintensiv ferngesehen.
Ich wende mich an das Office mit der Bitte um einen anderen Stellplatz, mit der kleinen Notlüge, dass unser Zwerg Angst vor den großen Hunden hat. Klar können wir tauschen, so die Antwort der eigentlich netten Crew, die neue Site liegt laut Plan aber auch wieder genau zwischen zwei belegten. Ich weise freundlich darauf hin, dass wir nur eine Nacht bleiben, ob es nicht noch eine andere Möglichkeit gäbe, und auf einmal klappt es mit einem Stellplatz etwas am Rand. Gerne parken wir unsere Behausung um und sind nicht mehr eingezwängt; weiterhin liegt jedoch die halbe Platzfläche unbesetzt vor uns. Warum die hier bei mäßig belegtem Platz ihre Kunden so zusammendrängen erschließt sich weder uns noch unserem Nachbarn aus Minnesota, der auf ein kleines Schwätzchen herüber gekommen ist. Dieser Platz sei für einen KOA lausig stimmt er uns zu. Dass ich spät am Abend beim Duschen dann noch sechsbeinigen Besuch bekommen werde macht die Sache nicht besser: Dieser Platz landet prominent in den Top Five der Campgrounds, für die es keinerlei Empfehlung gibt.
Wir sind heute hier am frühen Nachmittag angekommen und trinken im Schatten des RV einen Kaffee. Wie zum Hohn dröhnen nun für mich in der Ferne die Signalhörner der nun wieder fahrenden Züge.
Auf dem Parkplatz in White Sands waren wir gestern ja von RV- Kollegen auf einen niedrig hängenden Schlauch hingewiesen worden. Eine Anfrage per Mail mit Foto an das Road Bear- Helpdesk ergab nun, dass dies wohl nicht normal sei; "That needs to be fixed". Ich fixiere also den Schlauch mit einem von daheim mitgebrachten Kabelbinder, so dass er nun etwas höher hängt. Einen Aufenthalt in einem RV Repair wollen wir, noch dazu am Osterwochenende, gerne vermeiden. Wir werden ein Foto von dem Provisorium an das Helpdesk schicken, mal schauen was sie sagen. Meine Reparaturmaßnahme weckt das Interesse eines anderen Camper- Kollegen. Auch er kommt vorbei und würde am liebsten mit unter das Fahrzeug kriechen, traut sich dann aber doch nicht zu fragen. Dann geht der Vollmond auf und die Sonne unter. Es wird nun wieder schnell kühl, und wir essen drinnen zu Abend.