Freitag, 15. April 2022

12. April 2022 Pecos TX - Carlsbad NM

Irgendwann kommt er immer: Der schlechteste Campground der Tour. War es 2019 die Eisenbahn- Hölle von Ashville SC, hat diesmal der Platz in Pecos, auf dem wir unsere letzte Nacht in Texas verbringen, beste Chancen. Nicht nur dass es kein WLAN gibt, irgendetwas Grünes auf der Schotterfläche oder Sitzmöglichkeiten an den Sites. Nein: Die allermeisten Gäste hier sind Dauercamper, und die fahren morgens zur Arbeit. So beginnt um kurz nach 5 Uhr eine endlose Prozession von Pickups, die gefühlt im Minutentakt mal mit lautem mal mit sehr lautem Motor über den Schotter an unserem Camper vorbeirollen. Zumindest für mich war da die Nacht rum.
Als wir nach dem Frühstück beim Office den - nicht benötigten - Schlüssel für Fitnessraum und Pool abgeben wollen, steht die Platz-Chefin schon vor der Tür: "Ah, you are my overnighter" werden wir begrüßt; also waren wir diese Nacht die einzigen Gäste mit kurzem Aufenthalt. Sie warnt uns vor dem Wind heute, der sei stark, das sei aber normal: "That's West Texas in the spring." Wenn schon die Einheimischen auf den Wind hinweisen wird es heute wohl arg werden... 
Wir fahren wieder auf die US285 auf, und es bietet sich das gleiche Spektakel wie gestern: Elefantenrennen der LKWs, Tempo und Überholen um jeden Preis. Da der Wind stürmisch von Westen her drückt, sind diese Meilen eine wahre Tortur. 
Die Landschaft um Pecos könnte auch eine Ebene in der kuwaitischen Wüste sein: Sand, vereinzelter Bewuchs mit kleinen trockenen Sträuchern, und ein Ölfeld nach dem anderen. Zwischen den Pumpen und Rohrleitungen stehen Tanklager, Bohranlagen und Schornsteine, auf denen brennbare Gase mit hellen Flammen abgefackelt werden. 
Als wir in Orla westwärts in Richtung Carlsbad Caverns abbiegen, weht eine gigantische Sandwolke durch den Ort, Oskar meint, dass Nebel aufgekommen sei. 
Diese Straße führt nun dem Wind entgegen und bietet wenig Überholmöglichkeiten für Lastwagen, hat aber deutlich weniger Verkehr. Leider wird sie momentan großflächig über mehrere Dutzend Kilometer modernisiert und neu geteert. Das bedeutet streckenweise einspurige Verkehrsführung und Baustellenampeln mit elend langen Wartezeiten. Während einer dieser Fahrtunterbrechungen können wir direkt auf der anderen Straßenseite einem Texas State Trooper bei der Strafzettelaustellung zuschauen. 
Wir nehmen die Verzögerungen mit Gelassenheit: Alles besser als eine schnelle Weiterfahrt durch den Sturm auf der LKW- Rennstrecke. Irgendwann taucht in der Ferne der Gebirgszug des Guadalupe Mountains- Nationalpark auf. Dieser Park hätte uns schon auch interessiert, er ist jedoch leider mit dem RV kaum zu erkunden. Zu Füßen der Berge stoßen wir auf die US82, der wir nach Norden folgen. Unmittelbar darauf folgt ein Hinweisschild, dass ab hier Mountain Time gilt (also die Uhr eine Stunde zurückstellen), dann kommt das große gelbe Schild, auf dem der Besucher in New Mexico willkommen geheißen wird.
Direkt hinter der Staatsgrenze hört verblüffenderweise der starke Wind auf. Kann das sein, fragen wir uns, oder ist das Zufall: Der Sturm endet an der texanischen Grenze? 
Bald erreichen wir den Carlsbad Cavern National Park. Eine Straße windet sich eine kurvige Schlucht hinauf bis auf ein Hochplateau, wo sich der Eingang in die Tropfsteinhöhle befindet. Unserem Zwerg ist der Gedanke an eine dunkle Höhle und die 300 Meter tiefe Aufzugfahrt nicht geheuer, so besichtige ich dieses dunkle Wunder diesmal alleine. 
Man könnte mit jenem Aufzug direkt hinunter fahren, ich möchte aber, um die Tiefe erleben zu können, den "Natural Entrance" nehmen, also den Abstieg durch den Höhleneingang bis zum sogenannten "Big Room", dem Herz der Höhle. Ein gut ausgebauter gesicherter Weg führt ohne Stufen steil hinab in dieses Loch. Irgendwann lässt man das Tageslicht hinter bzw. über sich zurück, nun ist die Umgebung ganz dezent beleuchtet. Das Licht reicht gerade eben zur Wegfindung und um die Dimensionen der Umgebung erfassen zu können, gleichzeitig ist es jedoch trotzdem nahezu stockfinster. Das ist exzellent gemacht; die Stimmung strahlt eine eigenartige Erhabenheit aus, man fühlt sich fast demütig auf dem Weg nach unten, jeder spricht nur noch sehr leise. 
Es geht immer tiefer hinab, über Geländestufen, durch kleine Spalten oder durch große saalartige Katakomben mit ersten Tropfsteinen, bis man nach einer Stunde schließlich ganz unten auf den Rundweg durch den "Big Room" stößt. Dieser ist anderthalb Stunden lang, so groß ist der Raum hier unten. Hier ist es nun ein wenig heller, und man sieht separat angestrahlte Stalagtiten und Stalagmiten in ihrer ganzen Fülle und Pracht. Der Raum ist bis zu 80 Meter hoch und über einen Kilometer lang, die Formationen manchmal 20 Meter hoch oder hängen viele Meter von der Decke. Wie lange mag es gedauert haben, diese Giganten zu schaffen? "It all began with a single drop of water" steht auf einer der vielen Erklärungstafeln.An drei Stellen geht die Höhle noch weiter in die Tiefe - hier steht man am Rand unheimlicher schwarzer Abgründe -, an mehreren Stellen sind auch Felslöcher an der Decke zu sehen, die in darüber liegende Gewölbe führen. Das Höhlensystem ist noch längst nicht vollständig erforscht. Am Ende des Rundgangs bin ich ziemlich erschlagen von den Eindrücken, so dass ich fast froh bin, die Aufzüge erreicht zu haben. 
Wieder oben angekommen hat der Sturm auch hier volle Fahrt aufgenommen. Die Weiterfahrt nach Carlsbad und noch 10 Meilen weiter bis zum Campground werden sehr anstrengend. 
Wir übernachten zum ersten Mal auf dieser Tour auf einem KOA-Platz (KOA = Kamping of America); bei der Tour 2019 waren wir als Camper- Neulinge hier noch Stammkunden. KOAs sind teurer als die State Parks, bieten aber in der Regel tadellose Sanitäranlagen, gutes WLAN, einen Shop für die Dinge des Camperbedarfs und eine Laundry. 
Bei Starkwind beziehen wir unsere Site. Leider ist durch die Wetterbedingungen das WLAN nur eingeschränkt, aber die Chefin im Office weiß Rat und gibt den internen WLAN- Router frei. So kann ich endlich den Blog um die letzten drei Tage aktualisieren, und Susanne bucht den Campingplatz für in drei Tagen. 
Als ich zu später Stunde unsere Wäsche aus der Laundry hole, brennt entlang der Böschung des in 500 Metern vorbeiführenden Highways ein Feuer mit hoch lodernden Flammen. Zum Glück ist recht bald die Feuerwehr zur Stelle, bevor das nächtliche Wildfire zu einem Steppenbrand wird. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...