Bei der Planung einer USA-Durchfahrt ergeben sich zwangsweise einzelne Tage mit viele Kilometern ohne größere Höhepunkte, dafür ist das Land einfach zu groß. Ein solcher steht heute auf dem Programm, wollen wir doch die langweilige Weite des westlichen Texas durchfahren und bis nach Pecos kommen.
Wir fahren vom State Park aus nach Junction zurück und stehen vor der Wahl, entweder die schnelle Interstate 10 oder eine entspannendere Route über Land zu nehmen. Wir entscheiden uns gegen die Autobahn mit ihren rasenden Lastwagen und biegen nach einem kurzen Tankstopp wieder in die US83 Nord ein.
Auf den Bäumen zeigt sich ein wenig frisches Grün, dazwischen blühen einige Sträucher in leuchtendem lila. In Menard überqueren wir den Santa Saba River und wechseln auf die US190 Richtung Westen. Am Ortsausgang scheint die Zivilisation vorläufig zu enden: Auf einem Schild sind die Entfernungen zu den beiden nächsten Ortschaften angegeben: Eldorado 61 Meilen, Iraan 130 Meilen (98 bzw. 208 Kilometer). Dazwischen liegt nur unheimlich viel hügelige Landschaft, durch die die Straße weitgehend gerade dem Horizont entgegen strebt. Einmal liegen, als wir über eine Kuppe kommen, fast 12 Kilometer sichtbare Strecke wie mit dem Lineal gezogen vor bzw. später hinter uns.
Auf einmal treten Deers vor uns auf die Fahrbahn, ein Alttier mit zwei Kälbern. Sie verharren kurz in Straßenmitte, als wir abbremsen, wechseln dann ganz nach links hinüber, wo sie jedoch auf den Randzaun treffen. Mit einem großen Sprung setzen zwei über jenen Zaun, ein Kalb versucht, durch den Zaun durch zu schlüpfen und bleibt prompt hängen. Wir erleben das Drama, während wir in Schrittgeschwindigkeit vorüberfahren. Der Jäger in mir will natürlich sofort helfen, also bleiben wir stehen. Während ich auf der nur sehr schwach befahrenen Straße zurück laufe, sehe ich ein junges Stück wieder über die Straße laufen, es ist wie sich herausstellt das unglückliche Kalb von eben. Das Alttier steht noch abwartend hinter der "Unfallstelle" zehn Meter tief im Bewuchs und springt dann als ich näher komme ganz ab. Auf der anderen Straßenseite wird das Kalb von mindestens zwei anderen Deers in Empfang genommen, und auch sie machen sich aus dem Staub. Also diesmal für alle alles gut gegangen.
Auf einmal treten Deers vor uns auf die Fahrbahn, ein Alttier mit zwei Kälbern. Sie verharren kurz in Straßenmitte, als wir abbremsen, wechseln dann ganz nach links hinüber, wo sie jedoch auf den Randzaun treffen. Mit einem großen Sprung setzen zwei über jenen Zaun, ein Kalb versucht, durch den Zaun durch zu schlüpfen und bleibt prompt hängen. Wir erleben das Drama, während wir in Schrittgeschwindigkeit vorüberfahren. Der Jäger in mir will natürlich sofort helfen, also bleiben wir stehen. Während ich auf der nur sehr schwach befahrenen Straße zurück laufe, sehe ich ein junges Stück wieder über die Straße laufen, es ist wie sich herausstellt das unglückliche Kalb von eben. Das Alttier steht noch abwartend hinter der "Unfallstelle" zehn Meter tief im Bewuchs und springt dann als ich näher komme ganz ab. Auf der anderen Straßenseite wird das Kalb von mindestens zwei anderen Deers in Empfang genommen, und auch sie machen sich aus dem Staub. Also diesmal für alle alles gut gegangen.
Dass es auch anders laufen kann zeigen die vielen an der Straße liegenden überfahrenen Hirsche, an denen sich die Geier gütlich tun oder taten. Wir können nur mutmaßen, woher dieser immense Blutzoll auf einer wenig befahrenen Straße herrührt. Zum einen offensichtlich der hohe beiderseits der Straße stehende Zaun, zum anderen vielleicht die Wilddichte oder die hier mit erlaubten 120 Stundenkilometern durchdonnernden Trucks, die nicht so einfach bremsen können wie wir.
Die Zäune gehören zu den Ranches entlang der Straße, die wieder stimmungsvolle Namen tragen wie Big Spring, Derrick oder 12 Mile-Ranch.
Dann kommen wir nach Eldorado. Hier lacht natürlich das Herz des Western- Freundes beim Gedanken an den John Wayne- Western EL DORADO. Ich suche bei einer kurzen Käsekuchen aus dem Kühlschrank- Pause die örtliche Polizeistation, das wäre was: Ein Foto vom Sheriff-Office von Eldorado. Leider ist dieses ganz unpoetisch mit "Law Enforcement Center" beschriftet. Aber zumindest die Post zeigt, wo sie steht: "Eldorado, Texas". Ansonsten ist dieses verschlafene Kaff völlig unsehenswert, und wir fahren weiter westwärts.
Nun ändert sich binnen kurzem die Landschaft. Es wird trockener, je weiter wir fahren. Die wenigen Bäume haben noch keine Blätter, so wirkt alles noch karger, an manchen Stellen richtig steppenartig. Und wir fahren durch ein Ölfeld: Auf beiden Seiten stehen des öfteren Ölpumpen, die sich mit langsamer Monotonie auf- und abbewegen. Was sich nicht ändert sind die geraden Straßen und die Deers: Wieder springen vor uns zwei Hirsche über die Fahrbahn, und das Fallwild am Straßenrand wird kaum weniger.
Vor uns am Horizont auf einmal Windräder in Hülle und Fülle: Hier in der heißen Ödnis stehen sie großflächig zu vielen Dutzenden und bilden einen Windpark von der Größe eines deutschen Landkreises. Ob sie Strom gewinnen oder der Ölförderung dienen erschließt sich für uns im Vorbeifahren nicht.
Kurz vor Iraan geht es steil hinab ins Tal des Rio Pecos und auf der anderen Seite wieder hinauf. Nun sind wir fast in der Wüste, so karg und heiß ist es hier. Vor und neben uns sind Mesas zu erkennen, diese zum Teil bizarren Tafelberge kennen wir noch von der Route66. Gelegentlich wird der Staub in mächtigen Windhosen aufgeblasen, die wie gelbe Geister durch die Luft zu schweben scheinen.
Leider endet hier auch die Landstraße, so dass wir wieder auf die Interstate auffahren und auf ihr bis Fort Stockton fahren. Zum Glück ist gerade wenig Verkehr, so lässt sich der starke Wind, der schon seit einer Weile wieder auftritt, ganz gut aushalten. Auf dieser Interstate sind übrigens 80 Meilen Höchstgeschwindigkeit erlaubt (130 km/h), auch für Lastwagen, was diese gerne ausnutzen, gelegentlich geht auch etwas mehr. Mit unseren spritsparenden 60 Meilen (ca. 95 km/h) überholt uns hier jeder.
Überhaupt sind die erlaubten Geschwindigkeiten in Texas höher als sonst üblich.
Zwischendurch erlebt man auch auf einer Interstate immer wieder etwas Neues: Auf dem Standstreifen der Gegenfahrbahn sind zwei Radfahrer unterwegs. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie sich der Sog und die Luftwirbelschleppe der rasenden Trucks auf einem Fahrrad anfühlen. Lebensmüde ist diese Aktion mit Sicherheit.
In Fort Stockton, einem alten Kavalleriestandort mit passendem Denkmal an der Einfahrt, verlassen wir die Autobahn wieder und biegen für unsere letzten Tagesstrecke nach Pecos ab. Vorher kehren wir noch beim BURGER KING ein, den örtlichen CARL'S JUNIOR (so heißt der HARDEE'S ja hier im Westen) sehen wir leider erst im Vorbeifahren. Während wir essen fällt im Lokal und der angrenzenden Tankstelle der Strom aus. Für uns hat das nur die Unbequemlichkeit des schlagartig ausfallenden WLANs zur Folge - auch wenn es das einzige heute ist und der Blog mal wieder überfällig ist -, für die Kunden an der Tankstelle bedeutet es jedoch gegebenenfalls langes Warten bis der Strom wieder geht.
Der Highway nach Pecos ist eine einzige 70 Kilometer lange Gerade durch die Wüste, bzw. quer durch ein Ölfeld, denn quasi auf der gesamten Strecke wird Öl gefördert.
Die Lastwagen scheinen auf diesem Highway noch zügiger unterwegs zu sein als vorhin auf der Autobahn: Es wird gerast als gäbe es kein Morgen mehr. Den Bremsweg eines 120 Kilometer schnellen vollbeladenen 60 Tonners mag man sich nicht vorstellen; dass die Randstreifen der Highways gespickt sind mit abgeplatzten Teilen von LKW-Reifen macht die Sache nicht besser.
Kurz vor Pecos werden wir von einem Pickup überholt, der das erlaubte Tempolimit in nicht geringem Maße überreizt. Auf seiner Pritsche sitzt ein Mann und trotzt todesmutig ebenso dem Fahrtwind wie der Lebensgefahr - unglaublich.
Pecos könnte auf den ersten Blick auch in Mexico liegen, so das Bild aus dem Fenster. Angesichts der Leute auf der Straße möchte man hier eher weniger Zeit verbringen als mehr. Wir haben im Kings Road RV Park vorreserviert. Dieser bietet für jeden Stellplatz eine willkommene schattenspendende Wellblech- Überdachung an. Diese stehen in mehreren langen Reihen auf einer schmuck- und bewuchslosen Schotterfläche von der Größe eines Fußballfeldes und wirken wie die Camper- Version der unterwegs häufig zu sehenden Storage- Anlagen. Schön ist anders. Aber im Vergleich zu den staubigen, lauten und überhaupt gruselig wirkenden RV Parks zwischen Fort Stockton und hier ist dies die reinste Oase.
Insgesamt stehen am Ende des Tages 281 Meilen bzw. 452 Kilometer auf der Uhr. Und für einen eigentlich langweiligen Tag in der Einsamkeit wurde ganz schön was geboten.