Dienstag, 12. April 2022

09. April 2022 Schulenburg TX - Fredericksburg TX

Nach dem langen Tag gestern haben wir heute lange geschlafen und rollen erst um kurz nach 11 vom Hof.
Es böte sich nun an, auf der Interstate westwärts weiter nach San Antonio zu fahren. Gilt doch die nach New York, Chicago, Los Angeles, Houston, Phoenix und Philadelphia siebtgrößte Stadt der USA als eine ihrer ganz wenigen, die ein eigenes individuelles Flair besitzt und eine Besichtigung lohnt. Doch hier gilt das gleiche wie vor ein paar Tagen für New Orleans: Für unseren Zwerg wäre solch eine Städtetour die reine Folter, darüber hinaus wüssten wir auch in San Antonio nicht, wo wir unser Schiff parken können. Also verlassen wir Schulenburg Richtung Nordwest.
Nach ein paar Meilen ein ganz besonderes Erlebnis auf dieser Fahrt: Es geht bergauf, vor uns liegt ein Hügel, zum ersten Mal ist das Umland nicht mehr flach. Wie in sanften Wellen folgt die Straße nun dem Geländeprofil. Passend heißt ein Dorf hier Swiss Alp.Die Landschaft ist grün und sympathisch und Welten entfernt von den arm wirkenden Landstrichen Louisianas. 
Bald haben wir La Grange erreicht. Bekannt ist die Kleinstadt durch den gleichnamigen Rocksong von ZZ TOP, der vom örtlichen Bordell "Chicken Ranch" handelt. 
Die beschauliche Stadtmitte gefällt uns gut. Das Rathaus und der viereckige Platz davor erinnert stark an Hill Valley aus BACK TO THE FUTURE. In der Gegenwart ist hier heute Oldtimertreffen.
Auf einer lamgen Gitterbrücke überqueren wir den texanischen Colorado River, dann biegen wir zur Verproviantierung auf den WALMART Parkplatz ein. Der Markt ist landestypisch sowohl mit Stars and Stripes als auch mit dem Lone Star, so heißt die texanische Flagge wegen des einen "einsamen" Sterns, geschmückt. Oft hängt hier vor den Häusern auch die texanische Fahne alleine. 
Im WALMART werden Susanne und Oskar von einer Frau auf Deutsch angesprochen: "Seid Ihr auf Urlaub oder lebt Ihr hier?" Es entwickelt ein kurzer Smalltalk, in dem Sie erzählt, dass sie und ihr Mann von Frankfurt hierher ausgewandert sind, sie aber noch alle drei Jahre ihre Schwester in Deutschland besucht. 
Es ist für uns Mitteleuropäer im Übrigen immer wieder erstaunlich, dass man hierzulande sogar im WALMART Waffen und Munition kaufen kann. Der 2. Verfassungszusatz von 1791 macht es möglich. 
Auf dem Texas State Highway 71 wenden wir uns wieder westwärts und rollen auf Austin zu. Die texanische Hauptstadt wirkt wie die kleine Schwester von Houston: Die Skyline ist deutlich bescheidener, die Highways und ihre Autobahnkreuze übersichtlicher. Aber auch hier muss man höllisch aufpassen, nicht auf eine der vielen mautpflichtigen Toll Roads auf- bzw einzufahren. 
Wir fahren südlich um das Stadtzentrum herum und wechseln auf die US290, die uns ins Hügelland des Edwards Plateaus bringt. Die Landschaft hat sich seit Austin gewandelt: Das dominierende Grün ist gewechselt hin zu einem prärieartigen Braun. Zwar lacht die Sonne weiterhin, jedoch ist erneut starker Wind aufgekommen; streckenweise wird das Fahren wieder quälend. 
In Johnson City machen wir Brotzeitpause im Lyndon B. Johnson National Historical Park, der das Geburtshaus des früheren US- Präsidenten und die Farm seiner Vorfahren enthält. Leider ist hier auch wieder schon um 16 Uhr Feierabend, so dass wir unverrichteter Dinge weiterfahren. Johnson City ist tatsächlich nach der Familie Johnson benannt; Lyndons Vorfahren kamen in den 1870er Jahre aus Kansas hierher. Die restliche Wegstrecke nach Fredericksburg verläuft nun durch Weinland. Eine Winery folgt der anderen, überall werden Weinproben angeboten und werden, zumindest mit Blick auf die Anzahl der Autos auf den Parkplätzen, auch rege angenommen. Jedoch sind von der Straße aus kaum Weinberge oder - felder zu sehen. Statt dessen finden sich große Weiden, auf denen schmächtig wirkende Deers äsen wie bei uns das Damwild,  oder einige Longhorn-Rinder grasen. 
Wie schon gestern ist die Gegend überzogen mit deutsch klingenden Ortsnamen, Luckenbach, Blumenthal, Hulsenbusch oder Kuhlmann. Kein Wunder, ist diese Gegend doch wie keine andere in den USA von Deutschen besiedelt worden. Das deutsche Erbe wird hier hochgehalten, was uns auch noch in Fredericksburg begegnen wird, das wir bald erreichen und das uns am Ortseingang mit "Wllkommen" begrüßt. 
Der Fredericksburg RV Park ist einer der eher einfacheren Sorte. Wieder hängen wegen des frühen Büroschlusses unsere Formalitäten an der Tür, das heißt vor allem unsere Site- Nummer, die Karte zur Navigation dorthin und gegebenenfalls der WLAN- Code, wenn vorhanden. Unsere Site ist frisch geharkt, ein rotweißes Verkehrshütchen sorgt dafür, dass niemand Unbefugtes einfährt. Diesmal haben wir keinerlei Kontakt zu unseren Nachbarn, die in großen Bus-Mobilen residieren und eher einen arroganten Eindruck machen. Viel sympathischer ist Downtown Fredericksburg. Die Main Street zwischen Washington Street und Marktplatz (heißt wirklich so) ist an diesem frühen Samstag Abend voller Leben. Es gibt viele Lokale, viele mit deutschem Bezug, und natürlich auch einen "Biergarten". Oft wird  Live Musik gespielt - Country, R&B, Rock, aber zum Glück kein Schuhplattler- Sound, den man vor allem im "Biergarten" auch hätte erwarten können. Zwischen den Lokalen haben viele Geschäfte geöffnet, vom originellen Texas- Laden bis zum Leder-Outfitter für den Westmann. An vielen Häusern lassen sich die deutschen Wurzeln noch erkennen, und auch viele Namen der Geschäfte, aber auch Rechtsanwälte, Maklerbüros usw. zeigen deutsche Wurzeln. Dazwischen steht ein Denkmal von Chester Nimitz: Der US- Kommandeur des Pazifik- Krieges 1941-1945 stammt aus Fredericksburg; er führte erfolgreich die amerikanische Navy gegen Japan. 
Wieder zurück im RV planen wir einige der kommenden Tage um. Bei dem herrschenden Starkwind sind kürzere Etappen schlichtweg weniger körperlich anstrengend. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

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