Sonntag, 10. April 2022

08. April 2022 Galveston TX - Schulenburg TX

Der Wind an unserem Platz am Meer lässt das RV schaukeln wie ein Schiff auf dem Wasser. Trotzdem war es eine schöne Nacht.
Als wir am Morgen die Kaffeemaschine starten wollen regt sich nichts. Fehlersuche bei der Steckdose und den Sicherungen: nichts. Checken des Stromanschlusses: nichts. Checken der Sicherung im Campsite- Stromkasten: Schalter steht auf OFF. Kaum den Schalter umgelegt, schon ist der Strom wieder da. Komisch: Gestern Nachmittag hat der externe Strom funktioniert. Also hat in der Nacht ein Scherzkeks den Schalter umgelegt. 
Frühstück mit Meerblick ist etwas feines, genau das richtige Ambiente für den Abschied ins Inland, denn ab heute lassen wir die Küste hinter uns. 
Wir fahren nach Galveston zurück und noch einmal den Seawall Boulevard am Strand entlang, sagen dem Golf von Mexiko Adieu und biegen nach Houston ab. Galveston hat uns sehr gut gefallen. 
Auf der parallel zum Highway verlaufenden Eisenbahnstrecke ans Festland wartet ein langer Güterzug auf die Durchfahrt an der Hubbrücke. Hier gelingt mir aus dem Autofenster bei 55 Meilen das erste halbwegs passable Eisenbahnfoto des Urlaubs. 
Unser heutiges Besichtigungsziel ist das Johnson Space Center der NASA. 
Auf der Interstate Richtung Houston wird gebaut, aber im XXL- Stil: 40 Kilometer ist die Baustelle lang, der Verkehr läuft verschwenkt auf einer Seite. In Deutschland würde hier auf 80 oder gegebenenfalls 60 Stundenkilometer herunterlimitiert, hier braust der Verkehr ungebremst mit 55 Meilen (=90 Kmh) durch die Baustelle, nahezu jeder fährt schneller, LKWs eingeschlossen. 
Die Baustelle geht dann bis nach Houston hinein und betrifft auch unsere Abfahrt am NASA- Parkway. Wir verpassen prompt die nur homöopathisch ausgeschilderte Umleitung - ein amerikanisches Phänomen: Alles ist groß oder sehr groß, außer den Richtungsschilder. Wer nicht ein Navi auf aktuellstem Stand hat braucht solide Ortskenntnis oder schaut in die Röhre. Wir tun letzteres und müssen uns ein wenig mühsam den Weg suchen, dann ist der Parkway erreicht, stimmungsvoll eingeleitet durch eine Überführung namens "John Young Flyover", benannt also nach dem erfahrendsten Astronaut der NASA. 
Auf der Parkplatzeinfahrt kann man schon eine der großen Attraktionen anschauen: Die Boeing 747, mit der die Space Shuttles nach Florida zum Start gebracht wurden, samt Shuttle obenauf. 

Wir parken zwischen vielen gelben Schulbussen und kaufen unsere Eintrittskarten - deutlich billiger als im Kennedy Space Center, und Oskar ist noch frei. 
Das Foyer erschlägt uns: Riesengroß, dunkel und ersteinmal völlig unübersichtlich. Aber eine hilfsbereite Angestellte weist uns den Weg zur Abteilung mit den Raumschiffen, und wo man sich zur Rundfahrt anmelden muss. 
Die ausgestellten Originalstücke sind dann eine Wucht: Die originalen Kapseln von MERCURY 9 und GEMINI 5, und die Kommandokapsel von APOLLO 17, dem bislang letzten Mondflug, auch diese stark mitgenommen vom Wiedereintritt in die Atmosphäre.  
Bei GEMINI 5 beeindruckt, auf welch minimalstem Platz die Astronauten viele Tage im All ausgehalten haben, ein schmaler Sitz, das wars. Dagegen war der ebenfalls knapp bemessene Platz in der Mondkapsel fast luxuriös. 
Viele Details warten in den Vitrinen: Die  originalen Raumanzüge von Pete Conrad, mit Mondstaub bedeckt, und von Michael Collins, der originale Kaffeebecher von Flight Director Gene Krantz, der auch im Film APOLLO 13 vorkam, oder Ausrüstungsgegenstände, die auf dem Mond dabei waren. Oder ein Simulationsmodul für die APOLLO SOJUS- Mission, in der eine Thomas Stafford als Puppe den Russen die Hand zur Begrüßung entgegenstreckt; eine schöne Erinnerung für uns, denn 2019 waren wir ja im Space Museum von Thomas Stafford in Weatherford/ Oklahoma. 
Die Rakete, mit der Alan Shepherd 1961 als erster Amerikaner ins All flog, ist unfassbar klein: Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten. Wie viel Mut braucht es, in diese Rakete zu steigen oder in all die anderen dieser Raumschiffe? 
Die Rundfahrt führt zur Halle, in der die Astronauten trainieren, aktuell zum Beispiel für die kommenden ARTEMIS- Missionen oder für die ISS. Man steht hinter Glas und schaut hinunter auf die vielen Simulationsmodule, in denen wirkliche Raumfahrt stattfindet - ein beeindruckendes Live-Erlebnis. 
Was ist nun lohnender, Houston oder das Kennedy Space Center? Beide absolut sehenswert, was Houston mit dem Bezug zur aktuellen Raumfahrt hat, hat Kennedy mit dem Flair der Geschichte, dass es "hier" stattgefunden hat; und wenn dann noch eine echte Mondrakete auf der Rampe steht ist das kaum zu toppen... 
Zum ersten Mal bei unserer USA-Tour sehen wir hier bei einem - kleinen - Teil der Besucher wieder Corona- Masken. 
Es ist halb 4, als wir vom NASA-Parkplatz fahren. Und auf uns wartet nun auch ein Abenteuer: Mit einem 25 Fuß-RV im aufkommenden Berufsverkehr quer durch Houston zu fahren, ohne eine der zahllosen mautpflichtigen Autobahnen oder Express-Lanes zu erwischen. Das Navi ist dabei eine große Hilfe, aber trotzdem muss man höllisch aufpassen, auf den breiten Highways die richtigen Fahrspuren zu erwischen, und die aggressive Rücksichtslosigkeit der hiesigen Fahrer sorgt zusätzlich für Stress. 
Im Stop and Go rollen wir direkt an den Downtown-Hochhäusern vorbei, dann können wir auf die nach Westen führende Interstate 10 Richtung San Antonio einbiegen. Hier hat der Fahrer nun die Möglichkeit, zwischen neun Fahrspuren zu wählen. So viele Spuren hat nicht mal die Doppelautobahn des Jersey Turnpike, der bis dato unsere Benchmark für breite Autobahnen war. 
Aber der Verkehr läuft stadtauswärts trotz tausender Autos recht flüssig, und irgendwann lassen wir dann die viertgrößte Stadt der USA hinter uns. 
75 Kilometer sind noch auf der I10 abzureißen, wir passieren Weimar und New Ulm, dann fahren wir in Schulenburg von der Autobahn. 
Hier haben wir im örtlichen RV Park vorreserviert, und Mit-Besitzerin Bonnie hat extra noch bis kurz vor 7 im Office ausgeharrt, um die Camper aus Germany zu begrüßen: "Ihr seid den langen Weg aus Deutschland angereist, da können auch bis 7 Uhr auf Euch warten" sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. 
Ihr Mann weist uns mit Golfwagen auf unsere Site ein, und wir werden sehr freundlich von unseren heutigen Nachbarn begrüßt, einem Rentner- Ehepaar lustigerweise aus Fredericksburg, wo wir morgen hinfahren. 
Der RV Park ist einer dieser liebevoll privat geführten, wie auch schon die in Old Town oder Carrabelle. Alles super sauber, Lundry und Dusche vorhanden, und viele Details zeigen, dass die Eigentümer mit Herz bei der Sache sind. 
Da wir nicht mehr zum Einkaufen gekommen sind, gibt es heute mangels Alternativen Spaghetti, und fürs morgige Frühstück müssen wir uns was überlegen. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...