Das Umstellen des RVs gestern Nachmittag hat sich gelohnt: Die Dieselpumpe lief die ganze Nacht über, für uns zum Glück nur als gedämpfter gut überhörbarer Dauersound. Der Kollege aus Wisconsin, deutlich lärmexponierter stehend, verließ jedoch schon um 5 Uhr in der Früh den Campground.
Wir dumpen wieder, diesmal an der kommunalen Dumpstation des Platzes, und machen uns auf den Weg. Viele Erwartungen haben wir heute nicht, gilt es doch vor allem ein wenig Strecke westwärts zu machen in einer Gegend ohne Highlights.
Kurz vor der Auffahrt auf die Interstate 10 tanken wir in Lecassine bei einer „perfekten Tankstelle“: Ebene Ein- und Ausfahrten - neigen die US-Tankstellen doch gerne zu kurzen steilen Rampen in den Einfahrten, die mit einem RV mit langem Hecküberstand nur schwer zu passieren sind - dazu massig Platz zum Rangieren, und wenig andere Kunden die im Weg stehen wie zum Beispiel die Bootsanhänger vorgestern in Belle River. Nur das Bezahlen an der Zapfsäule klappt nicht, Susanne muss in solchen Fällen zur üblichen Vorkasse in den Laden.
Die Autobahn ist dann wie stets voll von großen Trucks, die mit 120 Sachen an uns vorbei brettern: Gewohntes Bild, bei dem heute herrschenden Seitenwind ist jedoch jede Überholung wie ein Tritt gegen unser Wohnmobil. Ganz schlimm wird der Windeffekt auf der Hochbrücke zwischen Lake Charles und Sulphur mit ihren steilen Rampen. Wir entscheiden uns daher, die Interstate bald zu verlassen. Sulphur macht mit seinen stinkenden Chemiewerken seinem Namen alle Ehre. Hier hätten wir auch übernachten können, aber ein Bauchgefühl hielt uns zum Glück davon ab.
Eine kaum befahrene Landstraße durch dünn besiedeltes Gebiet nimmt uns auf, bis uns an der Staatsgrenze ein "Dead End"- Schild wieder auf die Interstate zwingt. Der Sabine River bildet hier die Grenze zwischen Louisiana und Texas - der Lone Star State ist erreicht; der Staat, der "Don't mess with Texas" zur Maxime erhoben hat. Wir sind wieder einmal gespannt. Kurz darauf fahren wir erneut ab und halten in Bridge City bei einem SUBWAY - auf der vergeblichen Suche nach WLAN und einem leckeren Sandwich.
Anschließend geht die Fahrt über eine weitere gigantische Doppelbrücke, eine steile Rampe hoch, oben gut 50 Meter über dem Wasser für die großen Schiffe, dann steil wieder runter. Man kann die großen Brücken gar nicht mehr aufzählen, die wir in den letzten zehn Tagen befahren haben.
Durch völlig eintöniges Marschland rollen wir dann Houston entgegen. Der Seitenwind ist hier auf der Landstraße zwar ähnlich stark wie auf der Interstate, jedoch ohne Lastwagen. Trotzdem für Susanne am Steuer eine einzige Tortur.
Wir passieren die Riesenstadt auf ihrer Hafen- und Industrieseite und fahren an ihr vorbei, noch einmal dem Meer entgegen.
An der Einfahrt zum Houstoner Hafen müssen wir über eine weitere Megabrücke, zur Abwechslung mal wieder eine Schrägseil-Hängebrücke - "Brücken bauen können Sie" kommentiert Susanne lakonisch, "mir reicht es jetzt aber auch mit Brücken"; davor scheinen sich die Straßen, Rampen und Zufahrten zu einem Knäuel verknotet zu haben; in diesen Highway-, Knoten passt flächenmäßig das Gebiet der Münchner Innenstadt.
Dann liegt unser Ziel vor uns: Eine vergleichsweise kleine Brücke ist noch zu schaffen und wir erreichen Galveston, das auf einer langgezogenen Insel gelegene berühmte Seebad an der Golfküste.
Da in den letzten Tagen das Netz und vor allem WLAN unzureichend waren, haben wir uns dort einen STARBUCKS herausgesucht, um dort online gehen und zum Beispiel den Blog "füttern" zu können. Der Laden hat jedoch zu, und sein WLAN ist aus.
Also fahren wir unverrichteter Dinge weiter, erst an der Seepromenade entlang und später ein wenig landeinwärts parallel zur Küste. 16 Kilometer sind es noch bis zum Galveston Island State Park. Zunächst gibt es entlang der Straße noch einige Hotels, dann prägen Hunderte von Ferienhäusern das Bild.
Am Office an der State Park- Einfahrt hängt wieder ein Zettel für die Spätankommer, wobei spät heißt, dass es 17 Uhr durch ist. Auch Susannes Name ist gelistet.
Wieder einmal erweist sich ein State Park Campground als Volltreffer: Unsere Site ist nur durch einen Streifen Salzwiese getrennt vom Wasser des Inlets der Meeresarm zwischen Festland und Insel. An der 200 Meter entfernten Landestelle für Kajaks findet sich ein kleiner Streifen Sandstrand, der wie geschaffen ist für Oskar und sein Strandspielzeug. Wir Eltern setzen uns in die Spätnachmittagssonne auf den Bohlenweg daneben, schauen auf die Bucht hinaus und die auf der gegenüberliegenden Seite stehenden Villen der Reichen und Schönen.