Freitag, 8. April 2022

05. April 2022 Mandeville LA - Morgan City LA

Eigentlich war für heute Regen angesagt. Aber der war schon in der Nacht vorbei, und als wir heute losfahren, kommen zwischen den Wolken sogar ein paar kleine Sonnenflecken durch. Wir beklagen uns nicht. 
Bei der Parkrangerin am State Park- Eingang frage ich nach, ob es an der mautpflichtigen Brücke nach New Orleans eine Mautstelle mit der Möglichkeit zur Cash- oder Kartenzahlung gibt. "Sure, you can pay cash" lautet die Antwort. So steht dem Abenteuer einer Fahrt über den Lake Pontchartrain Causeway, mit 38,4 Kilometern die viertlängste Straßenbrücke der Welt, nichts mehr im Wege.
Neun Dollar sind für unseren RV zu entrichten, und los geht die Fahrt. Das jenseitige Ufer ist nicht zu sehen, als wir auf die Brücke auffahren, und bald ist um uns herum außer der Betonfahrbahn vor, neben und hinter uns nur noch Wasser. Eigentlich sind es zwei Brücken, die eine führt hin, die andere zurück, ein paar Mal hat man für Notfälle Verbindungen zwischen den Brücken gebaut. Irgendwann taucht in der dunstigen Ferne über dem Wasser die Skyline von New Orleans auf; wie in einem Science Fiction-Film. Leider ist es heute sehr windig, das macht das Fahren in unserem Wohnmobil mit naturgemäß großer Windangriffsfläche äußerst anstrengend. 
Auf der anderen Seeseite angekommen lassen wir dann die Metropole links liegen. Lange hatten wir überlegt, die Stadt zu besuchen, es gäbe dort so viel zu sehen. Aber schlussendlich gehört solch eine Besichtigung nicht zu dem, was man mit einem Dreijährigen unternehmen kann, zumal das French Quarter erst am Abend richtig faszinierend wird. So wählen wir im Großstadtverkehr die Auffahrt zur Interstate.
Und schon wartet die nächste Megabrücke auf uns:  Die Hale Boggs Memorial Bridge überquert als Schrägseil- Hängebrücke den Mississippi. Da der Fluss bis Baton Rouge für Seeschiffe schiffbar ist, haben hier alle Brücken eine Durchfahrtshöhe von 50 Metern, was spektakuläre Rampen erfordert und oben schwindelerregende Tiefblicke ermöglicht. Auch auf dieser Brücke drückt der Seitenwand, und so nehmen wir zur Erholung am Westufer erstmal die beschauliche Uferstraße. Der hier stets parallel verlaufende Deich mindert zwar den Windeinfluss, nimmt uns aber auch jegliche Sicht auf den Fluss. 
Wir durchfahren einen nicht sehr wohlhabenden Landstrich. Viele der einzeln stehenden Häuser sind verlassen, einige zerstört, sind das noch Folgen des Hurrikans Katrina? Kaum eines der noch bewohnten Häuser zeigt irgendeine Art von Reichtum. 
Das brettebene Agrarland wird immer wieder von Tanklagern, Chemiewerken und Raffinerien unterbrochen, an deren Schornsteine lange Gasflammen zügeln. 
Unser erstes Ziel ist die berühmte Allee der Oak Alley Plantation, einem der hier unten erhalten gebliebenen alten Südstaaten-Herrensitze. Eine Besichtigung des Hauses haben wir jedoch nicht geplant, da dies im Houmas House auf der anderen Flussseite deutlich lohnender ist. 
Die berühmte Allee aus Virginia-Eichen ist so schön wie erwartet: Die Bäume zeigen deutlich ihr erstes Grün, und es ist kaum etwas los, so dass sich keine Menschentrauben ins Bild stellen. 
Hier ist auch ein Blick auf den Mississippi möglich: Auf den ersten Blick wirkt er kaum breiter als die Unterelbe oder der Rhein. Als jedoch ein Seeschiff flussaufwärts vorbeikommt, zeigen sich die wahren Dimensionen dieses Giganten, der praktisch die gesamten USA zwischen den Rocky Mountains im Westen und den Appalachen im Osten entwässert. 
Auf dem Weg zu einem kurzen Verpflegungsstopp beim WALMART in Donaldsonville - die liebgewonnenen PUBLIX-Märkte haben wir seit Alabama nicht mehr gesehen - überqueren wir den Mississippi ein zweites Mal über die nicht minder spektakuläre Sunshine-Bridge, eine Fachwerk-Auslegerbrücke, die entfernt an die Queensbsboro Bridge in New York erinnert. Am Ostufer ist nur noch eine hässliche Verladeanlage für Kohle zu passieren - auch hier ist das Ufer nicht schöner -, und wir stehen vor Houmas House, einem weiteren Juwel der Architektur der Südstaaten. Im Park des Anwesens beeindruckt uns zunächst eine 600 Jahre alte Virginia-Eiche. Wir haben eine Hausführung gebucht und werden von einem jungen Mann namens Patrick begrüßt: "Welcome to the Big Easy";
die umgangssprachliche Bezeichnung für New Orleans und Louisiana. Eine kleine Gruppe sind wir: Neben uns sind nur noch ein französisches Pärchen und drei "only Americans" aus Virginia dabei. Wir werden durch herrliche Räume geführt, Patrick hat die eine oder andere Anekdote auf Lager und erläutert uns die Geschichte des Anwesens. Während des Bürgerkrieges wurde Houmas House nicht besetzt: Der damalige Besitzer hatte schon Jahre zuvor die Sklaven entschädigt; zudem 
war er Ire und hisste über dem Anwesen die größte irische Flagge die zu bekommen war, um den nach der Schlacht von Vicksburg ankommenden Unionstruppen zu zeigen dass er neutral sei. So zog die Nordstaaten-Armee vorbei. 
Oskar meistert diese für ihn langweilige Tour heldenhaft: Nichts darf er anfassen während dieser Stunde, nirgendwo hin- oder draufsetzen, nicht rumlaufen. 
Die Führung endet mit: "If you'd like it, my name is Patrick, if not my name is Mathew". Auch mein RedSix-Cap war vorher wieder Thema; "Are you a Baseball Fan?" "Sure" antworte ich, "but it's so hard to get Baseball information in Germany. But when I get some, then it's Boston". Das wird mit einem Daumen hoch quittiert. 
Nach Beendigung der Tour müssen wir noch die letzte Etappe in Angriff nehmen, rund 80 Kilometer bis Morgan City. Wir überqueren den „Old Man River“ ein drittes und letztes Mal und wenden uns nach Süden ins Bayou- Land, in die Sumpflandschaft des Mississippideltas. Tatsächlich scheinen hier weite Gebiete rechts und links der Straße aus dicht bewaldeten Wasserflächen zu bestehen. Zwei kleinere schiffbare Flüsse queren wir über pittoreske Drehbrücken. 
Beim Tanken in Belle River müssen wir warten, weil zwei Kunden ihre auf Pickup-Anhänger verladenen Boote betanken und uns die Ausfahrt blockieren. 
Schließlich erreichen wir Morgan City und unseren am Lake Palourde gelegenen Campground Lake End Park. Leider ist der Stromanschluss unserer reservierten Site defekt. Nachbarin Ronda, die mit ihrem Mann bei Rockmusik und "some Cocktails" seinen Geburtstag feiert, versucht telefonisch zu eruieren, ob die gegenüberliegende noch unbelegte Site noch frei sei. Sie bekommt leider keine abschließende Information, aber wir stellen uns einfach hinüber. Hier funktioniert auch der Strom. Wenn noch jemand kommen sollte, was Ronda bezweifelt, nehmen wir einfach einen der vielen anderen an diesem Dienstag freien Plätze. 
In der Dämmerung setzen wir uns zum Abendessen hinter den RV an den See. Hierfür ist jedoch eine intensive Schutzschicht von Insect Repellant aufzutragen, denn es fallen ansonsten sofort und gleichzeitig mehr Mücken über einen her als Vögel über Tipi Hedren in Alfred Hitchcocks DIE VÖGEL. 
Der nächtliche Horizont ist hell erleuchtet von den fernen Lichtern von New Orleans. Da kommen wir irgendwann auch noch hin. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...