Freitag, 8. April 2022

04. April 2022 Mobile AL - Mandeville LA

Das Wasser der Bucht glitzert blau im Morgenlicht vor unserem RV als wir aufstehen. Es ist schon in der Früh angenehm warm.
Unseren Frühstückstisch schmücken Oskars Rosen; der Kleine ist richtig stolz auf seinen "Einkauf".
Zum Hauptprogrammpunkt des Tages haben wir es heute nicht weit: Der Battleship Expressway führt direkt zum Schlachtschiff ALABAMA, das hier in Mobile Mittelpunkt des Battleship Memorial Parks ist. An der Einfahrt bemerkt die Park Ticket-Verkäuferin zustimmend mein Boston Red Sox- Cap: "Go Sox!" 
Die ALABAMA war von 1942 bis 1947 im Einsatz, nahm an einer Vielzahl von Schlachten im Pazifikkrieg teil und liegt hier seit 1964 vor Anker. 
Besonders an diesem Museumsschiff ist, dass man bis in tief unten liegende Decks hinabsteigen und sich viele Stationen des Schiffsbetriebs ansehen kann. Schmale steile Stiegen führen hinunter, für Treppen war kein Platz. Mehrere beschilderte Rundwege führen einen durch das Schiff. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, dass selbst auf einem so großen 210 Meter- Pott eigentlich zu wenig Platz für 2.000 Mann Besatzung ist, und wie eingeengt und nahe beieinander alles war. Die Mannschaftsunterkünfte waren unglaublich eng, teilweise wurden die Kojen erst zur Nacht bzw. Freiwache von der Decke heruntergeladen. Die US Navy ist ja auch heute noch nicht berühmt für großzügige Unterkünfte der einfachen Matrosen, aber damals war es wirklich krass. Privatsphäre hatten eigentlich nur die Offiziere. 
Gefechtszentrale, Werkzeugmacherei, Friseurraum, Wäscherei, Post, Küche, Messen, Druckerei, Räume des US Marinecorps, Schiffsladen, Zeugmeisterei, Kapitänsräume - wie eine Stadt auf See. Alles ist liebevoll hergerichtet und ausgestattet, teilweise hängen Kalender von 1944 an den Wänden. 
Noch enger und steiler sind die Treppen in den Aufbauten nach oben bis zur Brücke - hier ist man dann ordentlich hoch über dem Wasser. Am beklemmensten ist schließlich der Weg in einen der Türme der 400mm- Geschütze. Hier können sich eigentlich nur kleinwüchsige Schlangenmenschen bewegen. Das Ganze dann mit verriegelter Tür, Kanonendonner, Pulverdampf und Hitze sprengt die Vorstellung eines Besuchers im Jahr 2022.
Neben dem Schlachtschiff sind noch ein UBoot, das wir uns nicht ansehen, und allerlei Flugzeuge ausgestellt, zB. eine B52, eine Top Gun-F14 Tomcat, eine SR71 Blackbird oder eine der F18 vom Flugzeugträger CORAL SEA, die 1986 am US- Luftschlag gegen Libyen beteiligt war. 
Alles in allem ein sehr gut gemachtes und informatives Museum für Militärgeschichte, ohne den bei uns so nervenden hypermoralischen Zeigefinger, und mit Ansichten und Einblicken, die es sonst nicht gibt. Auch das übliche Pathos hielt sich in verdaulichen Grenzen. 
Nach diesem Blick in die Vergangenheit fahren wir auf der I10 durch Mobile hindurch und erreichen bald die Staatsgrenze zu Mississippi. Nachdem wir an der bisher günstigsten Tankstelle unserer Tour getankt haben fahren wir wieder an die Küste zurück. Nach den Bausünden an der Alabama- Küste gestern und mit Blick auf die Casinomentalität hier eigentlich ohne große Erwartungen. Und tatsächlich wirkt Biloxi, die erste Stadt die wir hier der US90 folgend durchfahren, ein wenig wie Macao; allem voran wartet hier das protzige Hard Rock Casino auf Kundschaft in Zockerlaune. Doch schon wenige Kilometer ein völlig anderes Bild: Die US90 führt direkt am menschenleeren Strand entlang, auf der anderen Straßenseite gediegene einzeln stehende Häuser und große Villen teilweise sogar im Südstaatenstil, zum Großteil auch wieder aufgeständert oder auf einem künstlichen Hügel stehend. Gelegentlich kommt alle paar Kilometer dann doch wieder ein Casino, aber schon direkt dahinter erneut Strand und Villen. 
Es macht Spaß, hier entlang zu fahren, die Küste von Mississippi ist ein Genuss. 
In Gulfport können wir unseren RV direkt am Strand parken. Hier machen wir ausgiebig Pause. Oskar baut mit dem weißen Sand eine Sandburg und wässert den Burggraben mit Meerwasser, Susanne genießt den Blick auf den Golf, und ich versuche, im knietiefen Wasser ein wenig zu schwimmen. 
Über die Bay St. Louis passieren wir heute die inzwischen dritte Großbrücke, nachdem wir schon den Pascagoula River und die die Biloxi Bay überquert hatten. 
Nun verlassen wir die Küste und bald darauf - inzwischen wieder auf der Interstate unterwegs - auch den Bundesstaat Mississippi. Es war eine wunderschöne Strecke hier. 
Louisiana begrüßt uns mit "Welcome" und "Bienvenue". Wenn die USA irgendwo ansatzweise frankophil sind, dann hier. Für uns ist es der zweite völlig neue Bundesstaat auf dieser Reise. 
In Lacombe verlassen wir die Autobahn, fahren durch einen lockeren Wald mit eher ärmlicher Bebauung und erreichen schließlich den Fontainebleau State Park. Mehrere Campgrounds sind hier auf dem Arreal angelegt, beim im Viertel nach 6 nicht mehr geöffneten Office an der Parkeinfahrt sind noch einige Vacancy-Plätze auf einer Tafel gelistet. Wir haben jedoch reserviert und fahren gefühlt einmal durch den Park bis zum Stellplatz 128 auf dem südlichen Campground. Dieses System der State Parks mit integrierten Campgrounds ist wirklich vorbildlich. In der Regel wird zumindest Strom, Wasser und ordentliche Restrooms mit Duschen geboten, oft mit Laundry. Und hat die Site keinen eigenen Dump-Anschluss (Strom plus Wasser + Abwasser heißt "Full Hook Up"), so gibt es wie in Neuseeland eine zentrale Dump Station. 
Auch unser Campground hier im Fontainebleau State Park ist eine schöne großzügige Anlage, angelegt auf einer Waldlichtung. Man könnte noch zum Ufer des großen Lake Pontchartrain hinüber spazieren, das ist uns mit dem Zwerg jedoch zu weit bzw. zu spät. 
Wir haben eine Pull Thru Site, das heißt wir brauchen nicht rückwärts zu rangieren. Das macht das Handling etwas einfacher. 
Heute können wir wieder draußen sitzen; es gibt zum ersten Mal unser Camper- Lieblingsessen Tomate Mozzarella. In der Ferne ist Wetterleuchten zu sehen und leiser Donner zu hören, das Gewitter kommt jedoch nicht zu uns herüber. 
Im allerletzten Büchsenlicht biegt noch ein Spätankommer mit großem Pickup und XXL-Trailer auf den Platz. Wie von den Amerikanern gewohnt passiert auch er gekonnt die engen Kurven, inspiziert kurz seine Parkbucht und stößt dann in einem Zug souverän den langen Auflieger in die unbeleuchtete Back In-Site, exakt gerade und ohne noch einmal korrigieren zu müssen - Chapeau!

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...