Bis auf ein paar Züge war es eine ruhige Nacht, aber wieder ziemlich kalt, kein Wunder hier auf der windigen Passhöhe. Die Wolken haben sich heute früh aber verzogen und die Sonne scheint. Beim Frühstück bemerken wir, dass die KOA- Leute hier ihre Gäste viel geschickter verteilen als ihre Kollegen in Benson AZ: Die freien Plätze liegen alle jeweils zwischen besetzten Sites, so ist man nicht auf unmittelbarer Tuchfühlung; in Benson war ja lieber alles eng gestellt und ein ganzer Platzteil leer geblieben. Auch sonst sind wir mehr als zufrieden: Wir müssen das verbrauchte Gas ersetzen und bei der Abgabe übermorgen wieder einen vollen Gastank im Fahrzeug haben. Ein freundlicher Angestellter steht hierfür unmittelbar nach unserer Anfrage im Office bereit. Jedoch scheinen unsere beiden Koch- Abende kaum Gas verbraucht zu haben, denn er zuckt nur mit den Schultern und meint: "It's pretty full." Wir brauchen für den Service nichts zu bezahlen und können diesen Punkt auf der Liste für die Wohnmobil- Abgabe schon mal abhaken. Los geht's. Ein allerletztes Mal fahren wir auf die Interstate 10 auf, das erste Mal war es vor gut drei Wochen kurz auf der Etappe nach Mobile AL, lang ist's her...
Schon nach ein paar Meilen fahren wir wieder ab und folgen einer kleinen Straße durch den San Timoteo Canon. Hier laufen wieder die Bahngleise parallel, und es gelingt auch noch ein Bahnfoto.
Am unteren Ende des Canon beginnt San Bernardino und damit der Großraum Los Angeles.Wir wollen von hier aus der alten Route66 folgen und biegen an der Ecke Mount Vernon Avenue/ 5th Street in die Straße ein, die einmal die alte Main Street of America war. Dies ist eines der Stücke der Strecke, das uns noch fehlt.
Es folgt nun ein über 40 Meilen langer mehr oder weniger gerader Straßenzug zu Füßen der San Gabriel Mountains. An vielen Stellen finden sich Hinweise auf die alte Sixtysix, die exakt diesen Verlauf nahm auf ihrer Zielgeraden Richtung Santa Monica, wie zum Beispiel Schilder "Historic Route66", Markierungen auf der Straße, oder auch Einkaufszentren, die den Namen Route66 tragen.
Gerade am Anfang und dann gelegentlich zwischendurch sind noch Relikte der Vergangenheit zu erkennen, insbesondere Motels mit verblichen Werbeschildern, in denen man freilich nicht wirklich übernachten wollen würde.Alte Tankstellen, wie wir sie 2019 so oft gesehen hatten, gibt es hier nicht mehr. Ein Höhepunkt heute ist dafür sicherlich das Wigwam Motel in Rialto.
Es geht durch eine Vielzahl von Städten und Ortschaften hindurch, mit fließenden Übergängen. Manchmal weißt ein Ortseingangsschild darauf hin, dass man wieder eine Gemeindegrenze überquert hat, manchmal nicht. Nach San Bernadino folgen - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - Rialto, Fontana, Rancho Cucamonga, Upland, La Verne, San Dimas, Azusa, Glendora, Monrovia und Arcadia. Kleine und große Städte, die alle nicht zu den ärmsten der L.A.- Area zu gehören scheinen.
Die Straße heißt über weite Strecken und durch viele Städte durchgehend Foothill Boulevard, später dann sogar einmal Route66.
Man kann jedoch nicht einfach durchfahren, sondern wird an jeder Kreuzung mit einer Ampel konfrontiert, die rot oder grün sein kann; jede schaltet unabhängig voneinander, von einer grüne Welle ist hier nichts zu spüren.
Unterwegs halten wir zum Lunchen bei CARL'S JUNIOR an - hier bzw. beim Pendant HARDEE'S schmecken die Burger einfach am besten, und das Ambiente ähnelt dem eines Diners. In Arcadia verfahren wir uns kurz und drehen eine Ehrenrunde um die Santa Anita Park- Galopprennbahn - "The Great Race Place" -, eine der ganz großen Pferderennbahnen Amerikas; aus dem Fenster zu sehen ist eine weitläufige Anlage mit riesiger Tribüne und einen ebenso riesigen Parkplatz.
Schnell sind wir aber wieder auf der richtigen Route und erreichen schließlich Pasadena. Hier wendet sich die Route66 nun in Richtung Santa Monica, wir müssen jedoch nach Van Nuys und verlassen die alte Straße.
Es folgt ein längeres Intermezzo über diverse Interstates, High- und Freeways, das ohne Navi nicht zu finden wäre. Zum Glück bleibt der Verkehr auf den vielspurigen Straßen flüssig, so dass wir ohne Stau schließlich irgendwann die Schnellstraße verlassen können. Einige letzte Kilometer durch samstäglich belebte Stadtstraßen, dann biegen wir endlich in unseren Campground ein.
Auf dem Hollywood RV Park waren wir schon 2019 bei unserer ersten USA- Durchquerung zu Gast. Er war uns vor allem in Erinnerung wegen der engen Zufahrten zu den Stellplätzen, die ohne fachkundige Einweisung durch den Platz- Chef für uns Amateure kaum zu bewerkstelligen wären. Und auch heute werden wir bestens eingewiesen. Susanne hatte einen großen Respekt vor diesem Platz, und ist sehr froh, als der Wagen in der engen Site steht.
Der Campground ist ist an vielen Stellen sehr liebevoll dekoriert.
Morgen wollen wir ein wenig durch Los Angeles fahren und mieten über UBER einen Leihwagen, der ab 10 Uhr am Burbank Airport bereitsteht.
Nach einem Kaffee und einem Spaziergang über den Platz packen wir am Abend unsere Koffer. Der Abschied naht.