Dienstag, 26. April 2022

22. April 2022 Joshua Tree National Park CA - Banning CA

Stürmisch war es in der Nacht, und kalt, und kurz geregnet hat es auch. Nun lacht wieder die Sonne. Der Sturm soll heute noch bleiben, der Temperatursturz auch. Dazu passend trifft während des Frühstücks von unserem nächsten Campground eine Warnung ein. Man soll sich auf winterliche Verhältnisse einstellen, und Schnee kann es auch geben. Darauf haben wir nun gar keine Lust, die Schneefestigkeit der Bereifung und die Wintertauglichkeit unseres RV wollen wir nicht testen - obwohl ein aufgeklebtes Siegel an der Tür bescheinigt, das das Fahrzeug "winterized" sei. Also müssen wir zum ersten Mal umplanen. Dafür, vor allem für die Suche nach alternativen Campgrounds, braucht es jedoch Mobilfunk- Netz, und das gibt es auf Nationalpark- Campgrounds so wenig wie Strom; also müssen wir erstmal losfahren. 
Beim Müllwegbringen bemerke ich, dass der eigentlich ausgebuchte Platz wohl wegen der Wetteraussichten halb leer geblieben ist. Ein Pärchen baut gerade sein Zelt ab. Kälte und Sturm hätten ihnen nichts ausgemacht, aber der Regen hätte sie überrascht. 
Eine Schulklasse ist mit ihrem gelben Schulbus vor dem Campground Office vorgefahren. Die Kinder werden von Park Rangern empfangen, die heute ihre Hüte gegen Mützen ausgetauscht haben und mit ihnen erstmal ein paar kleine Bewegungsübungen machen zum Warmwerden.
Wind und Regen haben die Luft aufgeklart, die Fernsicht ist bestechend, als wir den Berg vom Campground zur Zivilisation wieder herunterfahren. Einige hohe Berge im Panorana sind oben frisch weiß bezuckert. Rechts und links der Straße stehen schöne Häuser mit liebevoll arrangierten Gärten, hier oben sind nicht die Ärmsten zu Hause. 
Unten in Yucca Valley fahren wir erstmal Richtung Nationalpark- Einfahrt, da es dort in der Nähe einen Starbucks gibt und wir heute noch keinen Kaffee hatten. Auf dem Weg dorthin passieren wir ein Entfernungsschild: Angegeben sind natürlich die nächsten Orte Twentynine Palms und Victorville, aber lustigerweise  auch der Welt entrückte Flecken Amboy an der Route66, laut unserer Erinnerung bestehend nur aus drei Häusern, einer Tankstelle mit Motel, und einer Kreuzung, damit ein Knotenpunkt in der Einsamkeit der Mojave Wüste. 
Susannes Handy findet jedoch weiterhin kein Netz. Wir testen daher diverse freie WLAN aus, von Applebee's - zu komplexe Anmeldung - bis STARBUCKS - hier kann man nicht sitzen-, bis wir bei McDonalds fündig werden, wo es so starkes Netz gibt, dass es bis auf den Parkplatz hinaus reicht.
Viele Alternativen für eine Übernachtung bleiben uns heute nicht. Da alles was höher liegt ausscheidet, müssen wir nehmen, was wir kriegen können und nicht zu weit von unserer Route entfernt liegt. In Banning liegt ein KOA- Platz für uns günstig und hat noch Vakanzen frei - den nehmen wir.
Nun müssen wir nur noch überlegen, was wir heute anstellen, fällt doch die eigentlich geplante Fahrt über eine Scenic Route durch die San Bernardino Mountains, an der auch unser vorgebuchter Campingplatz gelegen hätte, aus. Wir könnten auch noch einmal in den Nationalpark hoch- und auf dem Park Boulevard hineinfahren. Das ist uns aber bei dem starken Wind viel zu heikel. Aber Palm Springs liegt fast auf dem Weg, da fahren wir hin. 
Auf der Fahrt dorthin bemerken wir erst, wie hoch wir waren: Über mehrere Geländestufen führt der Highway weit hinunter, bis er inmitten eines riesigen Windparks auf die Interstate 10 trifft, auf der wir zum ersten Mal seit unserem Start eastbound unterwegs sind. Aber nicht lange, denn Palm Springs ist nur drei Ausfahrten entfernt. 
Obwohl nur 300 Meter hoch, erinnert mich das von hohen Bergen umgebene breite Hochtal an das Oberengadin bei St. Moritz. Und genauso wohlhabend zeigt sich Palm Springs: Jede Straße ist eine Palmen- Allee, alles ist sauber und gepflegt, es gibt Country Clubs, elitäre Residenzen und Golfplätze en masse. Dazu ist es sehr sonnig über dem Tal, die Wolken hängen ganz oben auf dem Bergkamm über der Stadt. 
Wir folgen der California 111 entlang der Westseite des Tals. Es folgen die offensichtlich kaum weniger betuchten Städte Cathedral City und Palm Desert. In letzterem gefällt uns die Downtown- Straße besonders gut. 
Wir haben nun genug Luxus gesehen und wenden uns wieder zurück Richtung Los Angeles. Stadtauswärts fällt uns eine riesige Hotel- Anlage auf: Das Marriott Desert Springs Resort & Spa, viele Villen und luxuriös wirkende mehrgeschossige Bauten umgeben von Golfplätzen und einem hohen Zaun. Alles XXL. 
Über den Frank Sinatra Drive kommen wir zur Interstate. Hier erleben wir nach einigen Kilometern in zweifacher Hinsicht ein Novum: Es ist Stau außerhalb von großen Städten; und er resultiert aus einem Unfall, dem ersten den wir in all den Jahren in den USA überhaupt sehen: Ein Lastwagen ist von der Fahrbahn abgekommen und liegt neben der Autobahn auf der Seite. Ein Kranwagen steht mit ein paar anderen Fahrzeugen auf dem Standstreifen bereit, zwei Bagger arbeiten unten an dem Wrack. Interessant für uns ist, dass nur ein einzelner Polizeiwagen dabei steht und das Ganze nicht weiter abgesichert ist. 
Nach der Unfallstelle geht es in gewohnter Art weiter: Wir auf der rechten Spur und alle überholen uns. 
Im Bereich des vorhin schon passierten Windparks verdoppelt sich abrupt der schon vorhandene Wind. Er kommt über den Pass, über den wir auch fahren wollen; warme Wüstenluft und die kühlere Küstenluft treffen hier aufeinander und sorgen für eine heftige Luftströmung. Kein Wunder, dass hier eine der größten Windkraftanlagen der Welt steht: Es ist die San Gorgonio Pass Wind Farm, bestehend aus über 3.200 Windrädern. 
Windy Springs heißt diese Ecke des Tals, welch passender Name, hier ist es angeblich 10 Grad kühler als in Palm Springs. 
Die Interstate führt nun in sanfter Steigung den San Gorgonio Pass hinauf, die Passhöhe liegt in dunklen Wolken. Oben befindet sich ein Spielcasino mit einem Hotel- Hochhaus und eine große Outlet Mall, kurz dahinter liegt Benning, unser heutiger Übernachtungsort. 
Wir machen uns an diesem Platz inmitten der Verkehrsadern indes nicht viel Hoffnung auf Nachtruhe, führt doch neben der Interstate auch die Union Pacific Railroad mit einer dicht befahrenen Strecke hier durch. Doch weit gefehlt: Der Banning Stagecoach KOA Journey liegt über einen Kilometer außerhalb des Lärmzentrums in relativer Ruhe, nur das Hupen der Züge ist zu hören. 
Das Office hat schon zu, kein Problem: Ein Briefumschlag mit unseren Informationen liegt wie gewohnt bereit. Der Rest ist Routine: Wir docken wie jeden Abend den Strom an, fahren den Slide Out aus und leeren das Tropf-Wasser aus dem Spülenschrank - das wird stetig mehr; würde der Urlaub noch länger dauern würden wir wohl um einen Reparatur- Aufenthalt in einer Werkstatt nicht herum kommen. 
Ein kurzer Gang noch zum Spielplatz des Campgrounds, aber es ist ziemlich kalt, also flüchten wir bald wieder ins Wohnmobil. 
Passend zum Wetter gibt es heute Nudeln, danach ist Feierabend. 
 

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