Donnerstag, 31. März 2022

30. März 2022 Port Canaveral FL - Homosassa Springs FL

Nach dem aufregenden Tag gestern lassen wir es heute ruhig angehen. Es wird gemütlich gefrühstückt, der Wasserstand in unserem Tropfen-Schrank gecheckt (Ergebnis: vertretbar) und noch ein paar Verrichtungen vorgenommen, zB. die unzureichende Haken-Situation für Handtücher etc ergänzt durch drei Klebehaken, die sich rückstandsfrei wieder entfernen lassen. 
Der Blick aus dem Fenster auf unsere Nachbarn zeigt große Wohnmobile, in denen sich offensichtlich hauptsächlich hier langcampende Winterflüchtlinge im Seniorenalter eingerichtet haben. 
Dann verlassen wir den Campground und nehmen Abschied vom Atlantik - Beginn unserer zweiten USA-Durchquerung. Das Kreuzfahrt-Terminal, an dem gestern Nachmittag noch zwei dieser turmhohen Giganten der quasi-industriellen Urlaubsfreuden vor Anker lagen, ist heute leer.
Über die Interstate 95, der großen von Miami bis nach NewYork, Boston und Maine führenden Autobahn der Ostküste, fahren wir zunächst 100 Kilometer Richtung Norden. 
Wie gewohnt sind wir, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit einhaltend, ein Hindernis für alle Trucker, Transporter und Trailer. 
Bei Daytona Beach, eindeutig erkennbar an der großen Tribüne der International Speedway- Rennstrecke, verlassen wir die I95 wieder, biegen in Ormond Beach in die Florida 40 ein und fahren die ersten echten Westwärts-Kilometer unserer Tour. 
Diese sind zunächst ein ausgesprochen zähes Geschäft. Ohne viel Abwechslung fahren wir Dutzende Kilometer geradeaus durch Wälder mit niedrigen Kiefern und gestrüppartigen Laubwald, gelegentlich unterbrochen von Wiesen- und Weidenlichtungen, auf denen Kühe oder Pferde grasen. Das örtliche und selbst auf der Interstate angeschlagene Zentrum Barberville erweist sich als bloße Straßenkreuzung mit Bahnhof, Tankstelle, 5 Häusern und einem großen Open Air-Antiquitätenhändler, es scheint jedoch nicht einmal die sonst unvermeidlichen Dunkin' Donuts- oder Dollar General- Läden zu geben. 
Nach der Brücke über den St. Johns River erreichen wir den Ocala National Forest.  Hier wollen wir uns die Alexander-Springs Quelle ansehen. Jedoch fahren wir schlussendlich an ihr vorbei, irgendwie haben wir wohl das Einfahrtsschild übersehen. Kein größeres Problem, gibt es doch unweit  auf unserer Route eine weitere Quelle. Auf dem Weg dorthin ist zunächst aber eine Baustelle mit einspuriger enger Verkehrsführung zu durchfahren. Noch sind die Maße unseres RV ungewohnt, so werden dies unerwartet aufregende drei Kilometer. Susanne meistert jedoch langsam und gekonnt Engstelle und Adrenalinschub. 
An der Einfahrt zur Juniper Springs-Quelle werden wir von einem entspannten Parkranger mit Holzfällerbart beruhigt: "There are big parking slots for your motorhome". So ist es auch, zudem ist der überschaubar große Parkplatz fast leer. 
Die Quelle entpuppt sich als ein von schattenspendenden Laubbäumen, Palmen und tropisch erscheinendem  Gesträuch umwachsener rund eingefasster Teich mit kristallklarem Wasser. Ein Mühlrad dreht sich am Abfluss, ein paar Familien haben sich auf dem Areal verteilt, Kinder spielen im Wasser. Wir wussten nicht was uns erwartet, und sind freudig überrascht von diesem kleinen Paradies. 
Oskar plantscht ein wenig mit den Füßen im Wasser, ich schwimme ein paar Runden, das Wasser ist erfrischend, aber nicht kalt. Anderthalb Stunden verbringen wir in dieser entschleunigenden Idylle. 
Auf der Weiterfahrt in Richtung Golfküste verlassen wir bald den National Forest und durchfahren das erstaunlich große und adrette Städtchen Ocala. Der anschließende Highway entpuppt sich dann als ein viele Kilometer langes Amerika-typisches Gewerbegebiet, Betriebe, Läden aller Größe von Mini bis Mall, dazwischen Golfplätze und Tankstellen; alle mit einer jeweils eigenen Einfahrt von der Schnellstraße. Immer wieder interessant sind die vielen Kirchen aller Ausprägungen und Geschmacksrichtungen, die zwischen Barackengröße und Großkomplex variieren, mit zum Teil riesigen Parkplätzen. 
Dann wird die Straße schmaler und wir sind wieder im Grünen unterwegs, bis wir Homosassa Springs erreichen. 
Die Einfahrt zum Sun Resort RV Park verspricht eine perfekte Camperwelt:  Palmen, Teich mit Springbrunnen, ein kleiner Kanal, an dem Boote liegen. Das Office ist um kurz vor 6 nicht mehr besetzt, jedoch liegt in gewohnter Weise an der Tür ein Umschlag für uns bereit. Wir folgen erwartungsvoll dem auf dem Platz-Plan markierten Weg und sind schlussendlich enttäuscht: Eine gekieste einfache Back In-Site ohne Tisch und Bank, rechts und links direkt Nachbarn mit voluminös großen Campern, hinten raus der Zaun mit einer direkt dahinter verlaufenden Straße. Hierfür 62 Dollar zu verlangen ist sportlich. 
Es ist wie es ist, jedenfalls wissen wir nun, warum man die Sites nicht einzeln reservieren konnte. 
Oskar hat seine Freude an den kleinen Kieseln, wir Erwachsene packen unsere Campingstühle aus und genießen nach diesem kilometerreichen Tag unser Feierabendbier. Dann essen wir vor dem RV in der Abendsonne unter Palmen gemütlich zu Abend, mit einsetzender Dämmerung werden wir jedoch von den örtlichen Stechinsekten nach innen vertrieben. 

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

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