Gestern Abend hatten noch diverse Motorradjünger ihre Harleys auf der Straße hinter unserem Wohnmobil aufgedreht, in der Nacht war es dann zum Glück sehr ruhig.
Da nach drei sonnigen Urlaubstagen heute Mittag das Wetter in Richtung Schauer und Gewitter drehen soll und der Himmel schon jetzt grau bedeckt ist, beeilen wir uns ein wenig. Der ELLIE SCHILLER WILDLIFE STATE PARK ist unser Ziel, und diesen Zoobesuch wollen wir noch im Trockenen genießen.
Größte Attraktion des Parks sind die urwüchsigen Manatees, Rundschwanz- Seekühe, die hier an der Golfküste große Popularität genießen. Wir haben Glück: Kaum haben wir die Brücke über das im Homosassa River gelegene Gehege erreicht, beginnt die Fütterung. Zwei Parkangestellte hatten einen Kübel Seegras ins Wasser geschüttet, und bald kommen zwei dieser riesigen Säugetiere angeschwomnen. Langsam mit kaum merklichen Bewegungen tauchen sie auf und äsen ohne jede Hast die Blätter.
Wir sind fasziniert, vor allem auch weil uns diese Tiere bisher völlig unbekannt waren. Sie kommen nur in sehr warmen Gewässern vor und können den für sie zu kühlen Winter Floridas nur überleben in den vielen warmen Quellen wie in Homosassa Springs oder in den Kühlwasserabflüssen von großen Kraftwerken. Man muss jedoch wirklich aus der Nähe schauen, um mehr zu sehen als nur große drei Meter lange Schatten, auf Entfernung wirken sie wie große dunkle Steine.
Zweite Attraktion des Parks sind die Alligatoren. Und auch hier haben wir Glück: Nicht nur dass wir einige Tiere im Wasser schwimmend beobachten können, wir erleben auch direkt vor uns und nur durch den Zaun getrennt einen kurzen Kampf zwischen zwei Exemplaren. Der "Verlierer" dieser sehr bösartig anmutenden Rauferei verlässt das Wasser und legt sich unmittelbar an den Zaun, einen Meter vor uns. Kaum zu glauben.
Ein Nilpferd gibt es auch, es paddelt seine Runden in einem quadratischen Bassin. Das Tier namens Lu ist ein Anachronismus: Bis in die 80er Jahre gab es in diesem Zoo eine Art Tierschow, in der auch das Nilpferd auftreten musste. Als der Staat Florida die Anlage kaufte und in einen State Park umwandelte, wurden alle exotischen - das heißt nicht heimischen - Tiere abgegeben. Nur das beliebte Nilpferd durfte bleiben: Nachdem sich Bürger in Petitionen für seinen Verbleib ausgesprochen hatten, erklärte 1989 der Gouverneur Lu offiziell zum Ehrenbürger Floridas, der hier bis zu seinem Lebensende Asyl bekommt - ohne weitere Show-Verpflichtungen.
Der Rest des kleinen Tierparks ist vergleichsweise unspektakulär, wirkt aber auch ein wenig in die Jahre gekommen. Es gibt eine Vielzahl von Vögeln, von denen aber nur die Pelikane, die majestätischen Reiher und der Weißkopfseeadler - Wappentier der USA - bei uns größeres Interesse wecken.
Das Bärengehege wird gerade repariert, Pumas und Luchse sind nur undeutlich zu sehen, die Florida Key Deers, etwa Damwild-große Hirsche, liegen träge wiederkäuend in ihrem Abschnitt. Gut, dass wir die Manatees und Alligatoren so beeindruckend erleben durften.
So spannend die erste Tageshälfte war, so langweilig ist die zweite. Wir müssen noch gute 100 Kilometer zu unserem nächsten Campground fahren, und zwar auf der breiten US19, die zwar zügiges Reisen ermöglicht, jedoch Dutzende Kilometer schnurgeradeaus und bretteben durch langweilige kaum besiedelte Landschaften führt. Rechts und links sind fast ausschließlich niedrige Bäume zu sehen, jedes Haus und jede Hofeinfahrt wird zur optischen Abwechslung. Derweil sind dunkle Wolken aufgezogen, bald prasselt der erwartete Regen heftig auf das Camperdach, und einige Blitze zucken fern über den Himmel.
Am Ende dieser Fahrt kaufen wir bei Hardee's noch Burger ein, dann steuern wir den "Suwannee River Bend RV Park" an, ein offensichtlich gut geführter Campground in Highway- Nähe, jedoch von drei Seiten von Wasser umgeben. Mittels Golfwägelchen werden wir von einem gutgelaunten Mitarbeiter auf unsere Site eingewiesen. Schade: Wir haben nach der Enttäuschung gestern heute einen hübschen Waterside-Platz direkt an einer Bucht des Flusses erwischt, sogar zwei Schaukelstühle stünden bereit für einen gemütlichen Sundowner am Wasser. Aber es gießt wie aus Eimern, so müssen wir Rest des Nachmittags und den Abend im RV verbringen.