Mittwoch, 27. April 2022

25. April 2022 Los Angeles Van Nuys CA - LAX Airport CA

Heute heißt es Abschied nehmen. Wir sind schon früh auf für die letzten Handgriffe und Verrichtungen, Oskar lassen wir noch ein wenig länger schlafen, er wird die Kraft brauchen. 
Beim Frühstück kommt dann alles auf den Tisch, was noch übrig ist. Obst ist nach dem Müsli alle, die guten Haferflocken von QUAKER auch, Kaffee ist noch so viel da, dass sich das Mitnehmen lohnt, von einigem anderem nicht, das muss dann leider weggeworfen werden. Beim Wasser haben wir uns ziemlich grob verschätzt, am Ende sind noch eindreiviertel 40 Flaschen- Pakete übrig, das war die Reserve für die Tage in der Wüste, die dann doch nicht so heiß waren wie befürchtet.
Danach dann das letzte Mal dumpen und Wasser auffüllen. Bei diesem RV ist die Abwasservorrichtung so geschickt konstruiert, dass diese "Freuden" des Camperlebens vergleichsweise schnell und recht unkompliziert vonstatten gehen; das war zum Beispiel in Neuseeland eine ganz andere ekligere Nummer.
Um kurz nach 9 sind wir fertig, und es geht heuer zum letzten Mal los. Zum Glück hat niemand unser enge Zufahrt zugeparkt, so kommen wir ohne fremde Unterstützung und Einweisung in einem Zug aus der engen Site.
Für die Wohnmobil- Abgabe müssen wir zur Road Bear- Niederlassung in Agoura Hills fahren, 18 Meilen/ 26 Kilometer entfernt, Richtung Westen in den Santa Monica Mountains im Hinterland von Malibu gelegen.
Die US101 ist viel befahren heute morgen, aber wie fast immer bedeuten auch hier viele Autos auf den 4 bis 6 Fahrstreifen je Richtung nur dichten Verkehr, der zügig fließt, und wir kommen gut voran. 
An der Autobahnabfahrt tanken wir noch voll und rollen dann bei ROAD BEAR RV auf den Hof. Auch hier ist unser Eindruck, dass wie schon bei der Übernahme in Orlando das Procedere um ein Vielfaches strukturierter ist als vor 3 Jahren bei der Konkurrenz El Monte in Anaheim: Die Abnahme erfolgt nur durch einen einzelnen zuständigen  Mitarbeiter, und nicht über mehrere verschiedene Stationen. Zuerst die wichtigste Frage: "Is everything OK with the RV?" Nun, da haben wir ja für ein flammneues Fahrzeug eine ziemliche Liste vorzuweisen, vom mittlerweile recht akut tropfenden Wasser unter der Spüle über den mit Kabelbinder gefixten Schlauch für den Generator, eine lockere Spiegelhalterung auf der Fahrerseite bis zum kaputten Toaster. Zum Glück für uns alles Kleinigkeiten, die ohne Auswirkungen auf unsere Tour blieben. 
Wir räumen die Koffer aus, er steigt ein und schaut, ob sonst alles ok ist und von uns ordentlich hinterlassen wurde. Größere Reinigungsaktionen haben wir uns diesmal gespart, und auch ein letztes Besenrein- Auskehren ist nicht nötig.
Nebenan übernimmt gerade eine 4er Gruppe Holländer ihr Wohnmobil. Ich frage sie, ob sie unser restliches Wasser und einigen Kleinkram wie noch abgepacktes Naan-Brot, Alufolie oder die letzten Rollen Küchentücher übernehmen wollen. Herzlich gerne, so geht unser Kram nun auf die Reise nach Las Vegas; die andere Wasser- Palette hatte ich in der Früh schon unserem Campground- Nachbarn überlassen. 
Dann heißt es warten, bis die Abnahme abgeschlossen ist und wir das Schlussprotokoll bekommen. Das geht dann aber so schnell, dass wir von unserem "Sunseeker" gar kein Abschiedsfoto mehr machen können: "Everything is fine with the RV. And the mileage: You booked 4.000 miles, you needed 3.961, that's great!" Finden wir auch, gute Pferde nehmen die Hürde knapp; wir sind aber doch überrascht, dass unsere eigentlich großzügig gedachte Kalkulation am Ende doch so knapp war. Groß verfahren hätten wir uns nicht mehr dürfen. 
Zusammen mit einer Familie aus Berlin mit Kleinkind im Maxicosy steigen wir kurz darauf in den Shuttlebus zum Flughafen. In sehr zügiger Fahrt geht es zurück nach Los Angeles; auch das ist wieder vorbildlich organisiert. 
Am LAX- Airport, wie alle ihn nennen, herrscht wieder Chaos und Stau bei der Zufahrt, trotzdem kommen wir recht schnell ans International Terminal. Hier suchen wir uns im Menschengewusel erst einmal eine ruhige Ecke und sortieren uns,  packen alles final in die Taschen und trinken die Restbestände auf.
Vor der Schlange beim Lufthansa/Swiss- CheckIn spricht uns ein Bediensteter an: "Lufthansa?" "No, SWISS" antworte ich. "Oh my god, so early for SWISS, they become airborne at night" bemerkt er gut gelaunt, schließlich startet der Flug nach Zürich erst um 19.25 Uhr. Und da erkenne ich ihn wieder, mit ihm und seinem trockenen Humor hatte ich 2019 auch schon gescherzt. Ich frage ihn, dem Namensschild nach heißt er Lee, ob er 2019 auch schon hier bei Lufthansa gearbeitet hat, "Yeah, since 2016". Er freut sich, dass ich mich an ihn erinnere.
Am CheckIn erwartet uns dann eine in ihrer Groteskheit kaum zu überbietende Szenerie: Tausende Menschen sind gleichzeitig in dieser Abfertigungshalle unterwegs, bis auf wenige Ausnahmen trägt absolut niemand eine Corona- Maske. Und inmitten dieses Bienenstock- artigen Gewusels der Massen steht bei den Lufthansa- Schaltern tatsächlich: "Masks required". Und nahezu alle anstehenden Passagiere, die Stunden, Tage oder Wochen vorher in den USA wahrscheinlich nie eine Maske aufgezogen hatten, haben nun wieder ihren Mundschutz übergestülpt. Wir sind entsetzt. Ringsum in den CheckIn- Schlangen bei TURKISH, LOT, EMIRATES, KLM, SINGAPORE, BRITISH und so weiter stehen alle ohne da, nur hier nicht. Unfassbar.
Ich verweigere die Maske aus Prinzip, möchte die in den letzten Wochen hier so sehr genossene wie daheim vermisste Freiheit so lange wie es nur eben geht behalten - und werde während des Anstehens und der Kofferabgabe dann auch nicht angesprochen. 
Der Mitarbeiter am CheckIn witzelt mit Oskar, klebt ihm sogar auch einen Kofferaufkleber mit HON Circle an den Arm. Den Kindersitz müssen wir wieder zum Schalter für "Oversized baggage" bringen, anschließend stellen uns beim Security Check an. Auch hier geht es zügig, sind doch die Kapazitäten für noch nicht wieder ganz erreichte Vor- Corona- Passagierzahlen ausgelegt. 
Beim Einlass zur Lounge werden wir begrüßt mit: "Congratulations, you are the very first for the Zurich- flight." Maskenpflicht gibt es hier auch, die wird aber so lax ausgelegt, dass man sich das auch hätte sparen können. Die Lounge selbst ist ein Traum: Viel Platz, angenehme ruhige Atmosphäre, viele Sofaecken und leckeres Essen, genau das richtige, um gute vier Stunden Wartezeit zu überbrücken. Wir essen und trinken reichlich, auch für Oskar ist etwas dabei, und beobachten die Menschen um uns rum. Zum Beispiel eine Gruppe junger Leute, von denen einer von zwei Mädels für ein gemeinsames Selfie angesprochen wird; welche Berühmtheit saß da wohl am Nachbartisch?
Oskar und ich schauen uns später die Landung unserer aus Zürich kommenden Maschine an, und irgendwann ist es kurz vor 7 und wir können zum Gate aufbrechen.
In der Schlange vor der Tür des Flugzeugs frage ich die Stewardess, wie es mit den Masken sei. "No masks required" lautet die Antwort. Bestens, bei Lufthansa hätten wir alle drei einschließlich unseres Zwergs wieder den ganzen Flug über vermummt sein müssen. 
Wir müssen uns nun aufteilen: Susanne und Oskar sitzen auf der linken Fensterseite, ich sitze ganz rechts am Fenster. 
Susanne erlebt noch vor dem Start einen kleinen Schock: Oskar hat beim Trinken des Begrüßungsgetränks auf einmal Scherben im Mund, er hat das dünne Glas mit den Zähnen geknackt. Es scheint jedoch alles gut gegangen zu sein, nach nehrmaligem Mundumspülen, soweit das ein Dreijähriger kann, ist wohl alles wieder draußen und kein Blut zu sehen...
Die Boeing 777 legt pünktlich ab, vor der Startbahn rollen wir am In'n'Out- Burger- Laden von gestern Nachmittag vorbei, dann geht es los. 
Unmittelbar nach dem Abheben sehen wir im Abendlicht das Meer. Wir haben wirklich den Pazifik erreicht, der Kontinent ist ein zweites Mal durchquert. 
In langer Linkskurve dreht die Boeing über Los Angeles, dessen Lichter in der nun schnell angebrochenen Dunkelheit aussehen wie ein bis zum Horizont reichender Teppich. 
Später sind dann einzelne Lichter am finsteren Boden das letzte, was wir von Amerika sehen. So fliegen wir in die Nacht hinein.

26. April 2022 LAX Airport CA - Zürich - München - Weilheim

Über den Großen Seen bin ich eingeschlafen, an der irischen Küste ist die kurze Nacht dann schon wieder vorbei. Irgendwann dazwischen war de...